Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 359 (sequence 2)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 359 fast unsagbare Weise erschwert, wo man aus leidiger Furcht vor dem Terrorismus antisemitischer Schreier und Hetzer sich geradezu scheut, das tüchtige jüdische Kulturelement für das Wohl des gemeinsamen großen Vaterlandes nutzbar zu machen! Blickt man zurück auf diese Reihe leuchtender Vorbilder auf dem Felde der parlamentarischen Thätigkeit, dann fallen zunächst ins Auge die unverwischlichen Züge jener Vorkämpfer, welche ihre Heimath in Hamburg hatten: Riesser, Heckscher, Röe u. Wolffson. Nennt man die besten Namen der Hamburger Bürgerschaft, dann werden stets die Namen Gabriel Riesser und Isaac Wolffson genannt werden, denn diese beiden Anwälte des Rechts haben sich durch eine echt vaterländische Gesinnung im besten Sinne des Wortes als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens bewährt. Wer ihrem Beispiele folgt, wer denselben Pfad verfolgt, auf dem sie bahnbrechend gewirkt haben, dem kann und wird auf die Dauer die volle Anerkennung derBessergesinnten unter denD rutschen christlichen Glaubens nicht fehlen! Was Gabriel Riesser dem deutschen Vaterlande, was er seinen Glaubensgenossen war, das hat Emil Lehmann, der früher Vizevorsteher der Dresdner Stadtverordnetenschast und Vertreter des Wahlkreises Dresden - Antonstadt in der sächsischen Zweiten Kammer war und selbst für seine Vaterstadt und als Volksvertreter in verdienstlichster Weise wirkte, in diesen Heften meisterhaft geschildert. Die Erinnerung an Jsaac Wolffson, der würdig in die Fußstapfen Riessers getreten ist und eine nicht minder segensreiche Thätigkeit entfaltet hat, ist aber noch in den dankbaren Herzen vieler Lebenden so frisch, daß es wohl nur einer schlichten, kurzen Lebensskizze bedarf, um sein Gedächtniß zu ehren, um daran zu mahnen, was dieser deutsche Jude seinem heißgeliebten Vaterlande, was er seiner Vaterstadt und seinen Glaubensgenossen gewesen ist. Jsaac Wolffson wurde am 19. Januar 1817 in Hamburg geboren, besuchte dort die israelitische Freischule und studirte später in Heidelberg, Göttingen und Berlin Jurisprudenz. Wie Riesser empfand er auf's Tiefste die Erniedrigung, daß er als Jude zur selbstständigen Betreibung der Advokatur nicht berechtigt war, als er sich 1838 in seiner Vaterstadt Hamburg niederl-eß. Alle