Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1897-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1897) · p. 359

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1897)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1897-07-01
Page
359 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316624-2316632-2320793--02755-2320877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 359 fast unsagbare Weise erschwert, wo man aus leidiger Furcht vor dem Terrorismus antisemitischer Schreier und Hetzer sich geradezu scheut, das tüchtige jüdische Kulturelement für das Wohl des gemeinsamen großen Vaterlandes nutzbar zu machen! Blickt man zurück auf diese Reihe leuchtender Vorbilder auf dem Felde der parlamentarischen Thätigkeit, dann fallen zunächst ins Auge die unverwischlichen Züge jener Vorkämpfer, welche ihre Heimath in Hamburg hatten: Riesser, Heckscher, Röe u. Wolffson. Nennt man die besten Namen der Hamburger Bürgerschaft, dann werden stets die Namen Gabriel Riesser und Isaac Wolffson genannt werden, denn diese beiden Anwälte des Rechts haben sich durch eine echt vaterländische Gesinnung im besten Sinne des Wortes als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens bewährt. Wer ihrem Beispiele folgt, wer denselben Pfad verfolgt, auf dem sie bahnbrechend gewirkt haben, dem kann und wird auf die Dauer die volle Anerkennung derBessergesinnten unter denD rutschen christlichen Glaubens nicht fehlen! Was Gabriel Riesser dem deutschen Vaterlande, was er seinen Glaubensgenossen war, das hat Emil Lehmann, der früher Vizevorsteher der Dresdner Stadtverordnetenschast und Vertreter des Wahlkreises Dresden - Antonstadt in der sächsischen Zweiten Kammer war und selbst für seine Vaterstadt und als Volksvertreter in verdienstlichster Weise wirkte, in diesen Heften meisterhaft geschildert. Die Erinnerung an Jsaac Wolffson, der würdig in die Fußstapfen Riessers getreten ist und eine nicht minder segensreiche Thätigkeit entfaltet hat, ist aber noch in den dankbaren Herzen vieler Lebenden so frisch, daß es wohl nur einer schlichten, kurzen Lebensskizze bedarf, um sein Gedächtniß zu ehren, um daran zu mahnen, was dieser deutsche Jude seinem heißgeliebten Vaterlande, was er seiner Vaterstadt und seinen Glaubensgenossen gewesen ist. Jsaac Wolffson wurde am 19. Januar 1817 in Hamburg geboren, besuchte dort die israelitische Freischule und studirte später in Heidelberg, Göttingen und Berlin Jurisprudenz. Wie Riesser empfand er auf's Tiefste die Erniedrigung, daß er als Jude zur selbstständigen Betreibung der Advokatur nicht berechtigt war, als er sich 1838 in seiner Vaterstadt Hamburg niederl-eß. Alle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.