Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 331 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 331 Bei einer Besprechung der sozialdemokratischen Propaganda unter den Studenten schrieb die hiesige antisemitische „Staatsbürger-Ztg.": Ms Vortragender ist Rechtsanwalt Wolf gang Heine genannt. Ein neuer Beweis dafür, daß das Judenthum das Ferment der Zersetzung ist und seine subversive Thätigkeit überall ausübt, wohin es dringt." Dazu bemerkt der Börsen-Kurier: „Diese Schlußfolgerung ist diesmal so unangebracht, wie nur möglich. Der überzeugte Sozialdemokrat, Herr Rechtsanwalt Wolfgang Heine, ist der Sohn des konservativen, kirchlich-frommen Direktors der Ritterschafts- Akademie in Brandenburg". In dem Prozesse gegen den Amerikaner Kneebs, der den Betrug mit der Nelly Kneebs ausgeführt hatte, wurde unter Anderen auch der Leiter eines Reitinstitutes, Dr. jur. Beermann, als Sachverständiger vernommen. Dies gab der „Staatb.-Ztg." Veranlassung, in dem Gerichtsberichte dem Namen des Sachverständigen die Bemerkung beizufügen, daß dieser einer Familie angehöre, die zumeist aus Pferdejuden und Roßtäuschern bestehe. Dr. Beermann strengte die Privatklage gegen den Redakteur Dr. B a ch l e r an, und das Schöffengericht verurtheilte diesen am 10. Juni zu 400 Mark Geldstrafe. Wie der „Deutschen Warte" berichtet worden ist, wird Ahlwardt ein Cigarrengeschäft errichten, und daselbst in eigener Person seine Maaren an Käufer verabfolgen. Die „Warte" bemerkt dazu: „Der Mann, der nach seiner eigenen Erzählung von seinen Gegnern „vertobakt" wurde, ist wohl branchekundig, zumal er ja in starkem Tobak manches geleistet hat." Antisemitische Beschimpfungen haben recht traurige Folgen für den Gesundheitszustand eines bisher blühenden, jungen Mannes gehabt. Der Sachverhalt, welcher zu einer Anklage wegen schwerer Körperverletzung gegen den Kaufmann Schoenberg führte, war nach der am 5. d. M. stattgefundenen Verhandlung vor dem Königlichen Schöffengericht folgender: Der Angeklagte befand sich mit mehreren anderen jungen Leuten in der Nacht vom 18. zum 19. Juni 1895 in dem Aschinger'schen Lokale am Rosenthaler Thor, als zwei Herren, anscheinend Studenten, das Restaurant betraten und beim Anblick des Angeklagten die rohesten antisemitischen Beschimpfungen äußerten, wie: „Hier riecht es wieder stark nach Knoblauch" rc. In Folge dessen geriethen die Jnsultirenden mit dem Angeklagten und dessen Begleitung in Streit, welcher nach dem Einschreiten des Aschinger'schen Geschäftsführers sich noch auf der Straße fortsetzte