Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Das Heidenthum der Neuzeit
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 296 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316631-2320615--02619-2320703- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
296 Im deutschen Reich. Simrocks und Scherrs von dem altgermanischen Heidenthum in Gegensätze zu den drei monotheistischen Religionen, Theoriei Lamarks und Darwins über die Entstehung des Menschengeschlecht! und über die allmähliche natürliche Zuchtveredelung. Schon damals begannen einzelne Gelehrte, die Arier aü Kosten der Semiten zu verherrlichen und die semitischen Kulturerrungenschasten als ein zweifelhaftes Gut zu bezeichnen. I» Brighton vertrat schon damals der deutsche Professor mit sichtliche, Genugthuung die Ansicht, daß der englische Mönch Winfried kaum als Bonifacius zu betrachten, kaum ein wirklicher Wohlthäter der Deutschen gewesen sei, als er die Axt an ihre Eichen legte, die unschuldige Naturreligion und ihre heidnischen Haine ausrottete. Schon damals wagte ein deutscher Professor zu behaupten, daß der von den römischen Mönchen verbreitete alttestamentliche Gottesbegriff alle Mängel des Christenthums verschulde, indem er die Welt mittelst kindischer Märchen auf Jahrtausende hinaus der Knechtschaft herrschsüchtiger Priester überliefert habe. Der alte „H o r d e n g o t t Jahve" mit seinen bestimmten Beziehungen zu einem unkultivirten Nomadenstamme und einem diesem zugedachten kleinen Ländchen, die unhaltbaren Naturanschauungen der Bibel, die von dem Christenthum bewirkte Verlegung des Lebenszwecks in ein unbewiesenes Jenseits, die gewaltsame Verschmelzung uralter indischer und egyptischer Sonnen- und Mondanbetung mit neuplatonischen Ideen, besonders aber die völlig grundlose Zerlegung der Menschennatur in Seele und Körper — dies Alles wurde mit blendendem Witz und überraschenden Redewendungen vorgebracht. Schließlich schwiegen die Bekenner der positiven Religionen, und es grollte nur noch des Philosophen Stimme und der Widerklang der Brandung durch das deutsche Flüchtlingsheim im fernen England! Es sei mir erlassen, den Namen des berühmten Mannes zu nennen, der damals in einem Kreise deutscher, freisinniger Männer fern von der Heimath an der englischen Küste Gedanken entwickelte, welche seitdem mehr und mehr in das Volk gedrungen sind und mächtig weiter wirken. Ich will hier nur verrathen, daß ich selbst der blutjunge Mensch war, welcher damals vor dem tiefen Wissen und der großartigen Beredsamkeit seines geistvollen Gastfreundes verstummen mußte. Diese alte Geschichte,