Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 257 (sequence 1)
- Language
- German
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257 Umschau. antisemittschen Blätter sind von der häufig zu offiziösen Kundgedungen benutzten „Nordd. Allg. Ztg." als diejenigen Organe bezeichnet worden, denen jede ruhige Entwickelung unbequem sei, und die den höchsten Rekord in der Ausstreuung von Krisengerüchten erzielen. Der anarchistische Charakter der antisemitischen Partei verbirgt sich zwar noch immer hinter frömmelnden, nationalen und loyalen Phrasen, aber die maßgebenden Kreise lasten sich dadurch nicht mehr über das für die Erhaltung des inneren Friedens verhängnißvolle Wesen der antisemitischen Wühlarbeit täuschen, die sich längst nicht mehr ausschließlich gegen die Juden richtet, sondern auch diejenigen Bauten untergräbt, als deren Stützen die meisten antisemitischen Führer angesehen sein wollten. Gegen Juden wendet, sich die „ R h e i n is ch - W e st f. Ztg." wahrlich nicht, wenn sie, die erwähnte Auslastung des offiziösen Blattes verhöhnend, schreibt: „Wenn die Sachseneiche fällt, weshalb sollen dann andere Bäume ewig stehen bleiben?" Mit dem Antisemitismus hatte die sarkastische Aeußerung der „ S t a a t s b ü r g e r - Z L g. " wahrlich nichts zu schaffen, als sie den Strafantritt ihres Redakteurs Georg Berger, als eine Folge der Flucht des Herrn von Marschall in die Oeffentlichkeit bezeichnend, hinzufügte: „In vier Wochen hofft er, gebessert und gekräftigt, seine alte Redaktions - ThätigkeiL wieder aufzunehmen." Wenn die „Deutsche Wacht" die Verbote der König!, sächs. Behörden, welche sich gegen eine angeblich, „deutsch-volkliche"Massenversammlung in Bad Elster und gegen die zu gewärtigenden regierungsfeindlichen Reden österreichischer Delegirter bei der Veranstaltung des Abg. Z i m m e r m a n n im Tivolisaale zu Dresden richteten, als gesetzwidrige und nur von Czechen und Juden gelobte bezeichnte, wenn dasselbe Blatt eine darauf bezügliche Aeußerung der antisemitischkonservativen „Dresdner Nachrichten" mit beschimpfenden Zusätzen als den Ausdruck des „Dresdner Geldprotzenthums" nannte, wenn der Abg. Zimmermann sich im Reichstage dadurch einen Ordnungsruf zuzog, daß er eine Erklärung des sächsischen Gesandten Grafen Hohenthal durch den Ruf „unwahr!" unterbrach — dann war es allerdings schwer, darüber keine Satire zu schreiben! lieber das am 4. Mai in dem Beleidigungsprozeffe des Freiherrn von Mirbach gegen Carl S e d l a tz e k von dem höchsten deutschen Gerichtshöfe 18*