Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 248 (sequence 1)
- Language
- German
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248 Gabriel Richer. IV. Von der mehrstündigen Kaiserrede Riesser's urtheilt ein Zeitgenosse: „An Klarheit der Gedanken, Schönheit des Ausdrucks und Schwung der Empfindung sei noch nichts Aehnliches gehört worden. Diese Rede sei nicht nur unbedingt die beste der Debatte, sondern wohl die beste, die bisher in der Paulskirche gehalten worden. Alle Zuhörer waren bis ins tiefste Mark erschüttert, viele bis zu Thränen gerührt; als Riesser die Rednerbühne verlieb, stürzte Gagern ihm in die Arme, alle Freunde drängten sich an ihn, um ihm Glück zu wünschen; der ganze Ertrag zehnmonatlicher Arbeit schien durch diese Rede gesichert. Der in der Diplomatenloge zuhörende Hamburger Gesandte bei der Centralgewalt, Syndikus Banks, wurde von seinen Kollegen beglückwünscht, daß Hamburg einen solchen Redner geboren habe." Riesser gehörte zu der von der Nationalversammlung gewählten Deputation, welche am 3. April 1849 dem König Friedrich Wilhelm IV. den Parlamentsbeschluß seiner Erwählung zum Deutschen Kaiser anzeigte. — Die Ablehnung dieser Wahl war der Anfang vom Ende des Parlaments und einer langen „kaiserlosen, schrecklichen" Zeit. Am 26. Mai schied Riesser, einer der letzten seiner Partei, aus dem Parlament. In einem klar und ruhig gehaltenen „Rechenschaftsbericht an meine Wähler zur deutschen Nationalversammlung"^ begründete er diesen Schritt und seine Stellung zu den wichtigsten Parlamentöfragen. Er schloß mit der Erklärung: „Sollte noch möglich sein, ohne ferneren Bürgerkrieg dem deutschen Volk das Gut der Einheit und Freiheit in seinen wesentlichen Bcstandtheilen zu retten, dann würde es die Pflicht jedes J) Riesser, Ges. Schriften Bd. IV. S. 559 ff.