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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 220

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Berlin
Date
1897-04-01
Page
220 (sequence 3)
Language
German
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220 Im deutschen Reich. Lösung der Paßfrage von vornherein als die einzig mögliche angesehen und diesen Standpunkt niemals verlassen. Die „Berliner Klinische Wochenschrift" brachte am 29. v. Ms. einen sehr bemerkenswerthen Aufsatz über den am 20. Juni v. I. in St. Gallen verstorbenen Präsidenten der SchweizerAerzte-, Kommission, Sonderegger. Danach hat dieser auch im deutschen Reiche hochgeschätzte, hochbegabte Arzt in seinem 1888 von ihm selbst geschriebenen Lebenslauf über seinen Eintritt in die Praxis wörtlich gesagt: „Zum Respekthaben geboren, begrüßte ich die seßhaften Kollegen der umliegenden Orte — in Balgach war kein zweiter — mit ausrichtiger Hochachtung, und den angesehensten derselben konsultirte ich in jedem wichtigen Falle. Dafür entwickelte dieser hinter meinem Rücken einen 9ictb und Zorn gegen mich, der förmlich Reklame für mich machte. Die übrigen waren ohne Ausnahme angenehm und ehrlich. Das Ideal -eines Arztes, dessen Bild mir auch im Alter nicht abgeblaßt ist, der wissenschaftlich hochstehende, praktisch gewandte, großartig wohlthätige und wahrhaft kollegiale Mann, der best-e Christ unter uns Aerzten, das war der alte Jude Dr. Steinach in Hohenaus. Als er 1867 auf seinem Sterbebette lag, hat diekatholischeGemeinde in der Kirche für ihn gebetet! Er war die oberste Instanz weit herum, und ein Druck seines Fingers hätte genügt, den jungen Sperling von Konkurrenten todt zu machen. Er hat mich väterlich geführt und gehoben, und mir die Ehrenschuld auferlegt, später seinem Beispiele zu folgen. — Es ist viel leichter, mit -Anstand Konkurrenz zu machen, als diese mit Anstand zu ertragen, aber ich bin überzeugt, daß bei schlechten kollegialen Verhältnissen, welche immer die Kranken und die Aerzte zugleich schädigen, in den meisten Fällen die Alten schuld sind!" Die jüdischen Studentenverbindungen an den deutschen Universitäten haben einen Kartell-Konvent gegründet. Diesem ist auch die Berliner Verbindung „Sprevia" beigetreten. Wegen Beleidigung des Oberhofmeisters Freiherrn von Mirbach ist vor einiger Zeit Carl Sedlatzek zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Freiherr von Mirbach hatte bei seiner Zeugenvernehmung die Kampfesweise und die gesummte Tendenz des „Generalanzeigers" einer vernichtenden Kritik unterworfen. Aehnliche Urtheile über Sedlatzek und den Charakter seines Blattes fanden sich in einer Reihe von Artikeln wieder, die hiesige und auswärtige Zeitungen im Anschluß an jenen Prozeß brachten. Sedlatzek hat gegen alle diese Blätter die Beleidigungsklage angestellt. Am 14. d. M.

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