Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 217 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 217 oben her durchaus kein Vorschub geleistet. Nirgends in der Schweiz finden wir zwar jüdische Regierungsräthe, Richter, Volksvertreter oder selbst Volksschullehrer, theils weil wenig Juden Schweizer Bürger sind, theils weil jene Stellen durch direkte Volkswahlen besetzt werden. Aber da, wo die Behörden Anstellungen zu machen haben, z. B. bei den Professoren an den Hochschulen, wird mit Unbefangenheit dem Israeliten derselbe Spielraum wie dem Christen gewährt. Als vor einigen Jahren ein neues Volksrecht, die „Initiative", eingeführt worden war, wurde diese zum ersten Male in wohlmeinender, aber unverständiger Weise von den Thierschutzvereinen dazu benutzt, um eine Aenderung der Bundesverfassung zum Zwecke des Schächtverbotes herbeizuführen. Nach Einholung von sachverständigen Gutachten erklärte sich der schweizerische BundeSrath einstimmig gegen die Initiative, und der Nationalrath und der Ständerath schlossen sich fast einstimmig den: an. Dem Gesetze nach mußte die Initiative dem „Referendum" unterstellt werden, was mit einer Botschaft des Bundesrathes begleitet wurde, welche mit überzeugender Kraft nachwies, daß das Schächten das Gegentheil von Thierquälerei sei. Und was geschah? Bei der Abstimmung nahm das Schweizervolk, das seither jeder anderen Initiative seine Zustimmung versagt hat, gerade dieses u n - vernünftige Schächtverbot mit ungeheurer Mehrheit an, und dies bildet jetzt einen Bestandtheil der Bundesverfassung". Wie schwer es ist, Ausschreitungen des Pöbels zu verhindern, wenn derselbe lange Zeit hindurch aufgehetzt worden ist, hat sich erst kürzlich in der russischen Stadt Schpola im Gouvernement Kiew gezeigt. Allem Anschein nach waren die dortigen Gewaltthätigkeiten seit Langem geplant, so daß nur auf eine Gelegenheit zur Ausräubung der Juden gewartet wurde. Größere antisemitische Exzesse sind in Schpola schon im Jahre 1881 vorgekommen, ferner wurden die dortigen Juden auch aus Anlaß der Krönung des jetzigen Zaren von den Bauern vielfach in einer Weise beleidigt und belästigt, welche die Absicht, sie zu scharfer Abwehr zu drängen und dadurch Anlaß zu Ausschreitungen zu bieten, deutlich verrieth. Es wird versichert, daß sich der orthodoxe Pfarrer von Schpola alle Mühe gab, die Bauern von den letzten Ausschreitungen abzuhalten, daß jedoch seine Ermahnungen von der Menge verlacht wurden. A. L.