Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Ein Mitglied des österreichischen Reichsrathes
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 209 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316629-2320278--02380-2320381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lin Mitglied des österreichischen Reichsrathes. LOS soll nicht schwerer genommen werden, als sie ist. Er hat vor mehreren Jahren an eines Kameraden Gut sich vergriffen und damit einen argen Fehltritt begangen. Es gjebt Menschm, die nach solch einer Thal sich bessern und nützliche Glieder der Gesellschaft werden. Dieser Mittermayer glaubte aber, die Niederträchtigkeit, die er verübt, nicht besser sühnen zu können, als indem er zum Prediger der reinen Moral sich aufwarf, indem er Antisemit wurde. Und in diesem Belange ist Mittermayer ein Typus. In den Reihen dieser Korrupt! onstödter finden sich Viele, die ihre Mission bei sich selbst anfangen sollten. Unter den antisemitischen Abgeordneten des Reichsraths findet sich Einer, der täglich zweimal in der Zeitung gegen jüdische Unredlichkeit donnert und selbst öffentlich der Unterschlagung von Gemeindegeldern geziehen wurde. Von Amtswegen wurde die strafgerichtliche Verfolgung nur des halb nicht weiter geführt, weil der Staatsanwalt es nicht zu erweisen vermochte, daß der unterschlagene Betrag höher gewesen, als die Summe, mit welcher der Schaden später gut gemacht morden ist. Der Mann, dessen Rechtschaffenheit nur vom Mangel an Beweis ein kümmerliches Dasein fristet, ist eine Leuchte im Rathe der Korruptionstödter. Gegen ihn ist Mittermayer ein kleiner Wurm. Den Wurm zertritt man, an die große Schlange traut man sich nicht; sie könnte Gift ausspritzen. Ob nach Allem, was geschehen, Mittermayer noch ferner im Reichsrathe bleiben wird oder kann, ist eine nebensächliche Frage. Der Mann und sein Schicksal lassen uns ganz gleichgültig. Aber die Partei, die solche Leute anlockt, sie großzieht, sie zu Abgeordneten kandidirt, ist durch die Erfahrung dieses Falles gekennzeichnet; sie ist in Wahrheit gerichtet!"