Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Ein Mitglied des österreichischen Reichsrathes
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 207 (sequence 2)
- Language
- German
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Lin Mitglied des österreichischen ReichsraLhes. 207 gangenheit eine anrüchige ist." Unterschrieben war: Leopold Mittermayer. Der Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung, Franz Schuhmeier, nahm kein tiefes Interesse an der Sache, deu Zettel aber bewahrte er sorglich auf. Nun bekommt die Geschichte eine Wendung, daß sie wirklich wie ein Romankapitel sich ausnimmt. Die beiden Hauptfigureu stoßen durch nichtvorherzusehende Fügungen aufeinander und werdeu zum Kampfe auf Tod und Leben gedrängt. Mittermayer und Schuhmeier, der Gehülfenobmann und der sozialdemokratische Redakteur, der so zufällig hinter des Ersteren Geheimniß gekommen, werden Rivalen um ein Reichsraths-Mandat. Mitterniayer wird von den Christlich-Sozialen aufgestellt und in gewohnter Weise von Lueger und seinem klerikalen Anhänge als Mann der Arbeit, der Redlichkeit und Rechtschaffenheit gepriesen, der in der heutigen Zeit noth thue, um Diebstahl und Ausbeutung zu bekämpfen. Schuhmeier wird von den Sozialdemokraten kandiditt. Beide Kandidaten halten Wählerversammlungen. Mittermayer, der nicht viel Positives zu sagen hat, beschimpft seinen Rivalen, er wirft ihm vor, daß seine Mutter betteln gegangen. Schuhmeier erinnert sich des Zettels, der ihm über Mittermayer's anrüchige Vergangenheit Andeutungen gemacht; er macht äußerst furchtbare Entdeckungen, und in einer von mehreren Tausend Wählern besuchten Versammlung im Hernalser Brauhause am 4. März giebt er dieselben in folgender Form zum Besten: „Carl Mittermayer hat das Zuchthaus mit dem Aermel gestreift. Vor fünf Jahren war Mittermayer beim „weißen Roß". Ein armer Kellnerjunge hatte einen Riskonto (Lotterieschein) gehabt, auf den er einen Treffer gewann. Diesen Riskonto hatte Mittermayer dem armen Kellnerjungen gestohlen. Er hat noch mehr gethan. Er hat einem Kollegen im Schlafe eine Brieftasche unter dem Kopfe hervorgezogen, daraus zwölf (Papier-) Gulden entnommen und dann behauptet, er hätte die Guldenzettel auf der Erde ausgestreut gefunden, an sich genommen und endlich aus Scham darüber, dies eingestehen zu müssen, die Noten in den Ofen gesteckt." Weiter beschuldigte Schuhmeier seinen Rivalen der Unterschlagung von Sammelgeldern, der Fälschung von Sammelblocks und dergleichen mehr und er schloß seine Rede mit den Worten: „Wir gratuliren dem Dr. Lueger zu diesem Karl Mittermayer!"