Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Im deutschen Reich. Begegnisse und tobender Verwirrungen so vollständig bewiesen, daß Rieffer selbst auf die Wiedererwählung verzichtete." Riesser war im Frankfurter Parlament Vorsttzender des Prioritäts- und Petitionsausschusses. Seine erste größere und erfolgreiche Rede hielt er am 29. August bei Berathung der Grundrechte gegen Moritz Mohls Antrag: „Die eigenthümlichen Verhältnisse des israelitischen Volksstammes sind Gegenstand besonderer Gesetzgebung und. können vom Reiche geordnet werden. Den israelitischen Angehörigen Deutschlands werden die activen und Passiven Wahlrechte gewährleistet/' Er begann mit der Erklärung: „Ich nehme das Recht in Anspruch, vor Ihnen aufzutreten im Namen einer seit Jahrtausenden unterdrückten Rasse, der ich angehöre durch die Geburt und der ich — denn die persönliche religiöse Ueberzeugung gehört nicht hierher — ferner angehöre durch das Prinzip der Ehre, das mich hat verschmähen lassen, durch einen Religionswechsel schnöde versagte Rechte zu erwerben. Im Namen dieser unterdrückten Volksklasse gegen gehässige Schmähungen vor Ihnen das Wort zu ergreifen, dieses Recht nehme ich in Anspruch. Der geehrte Vorredner hat seinen Antrag in einer Unwahrheit gefaßt. Er will nämlich den israelitischen V o l k s st a m m durch Ausnahmegesetze von dem für Alle gleichen Recht ausgeschlossen haben. Sie haben den nicht deutsch reden den Volksstämmen, die in Deutschland leben, Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichheit der Rechte, Gleichheit alles dessen, was den Deutschen Deutschland theuer macht, zugesichert. Sollen wir Juden es für unser Unglück erachten, daß ivir deutsch reden? Sollen wir darum schlechter behandelt, soll uns die Freiheit vorenthalten werden dürfen, weil wir nicht in die Kategorie nicht deutsch redender Volksstämme gehören? Soll die Geschichte von Ihnen sagen, daß Sie die mächtigen Volksstämme, die zerstörend in die Geschicke Deutschlands eingreifen könnten, die gewaffnet und gerüstet vor Ihnen stehen, durch Verleihung gleicher Rechte haben versöhnen wollen, daß Sie für die drohende Gewalt, nur milde Worte hatten, einer schwachen Religionspartei dagegen, die in bürgerlicher Hinsicht nichts will, als in Deutschland aufgehen — denn nur nach Denjenigen, die klar denken und lebendig fühlen und ein deutliches Bewußtsein ihrer Lage haben, können Sie diese, wie jede Masse beurtheilen — einer Klasse, die keine Nationalität haben will, die ihnen von ihren