Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 193 (sequence 1)
- Language
- German
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ioa Gabriel Riesser. ui. ^Riesser wurde in die am 18. Mai 1848 eröffnete deutsche Nationalversammlung als Abgeordneter für das Herzogthum Lauenburg gewählt, — in dem bis dahin kein Jude wohnen durfte. Ueber seine hervorragende Wirksamkeit im Parlament mögen die Urtheile von Augenzeugen berichten. Sein Parlamentsgenosse Professor Karl Biedermann schreibt:^ „In der Nationalversammlung schwieg Riesser anfangs oder trat doch nur weniger bedeutend hervor, bis er plötzlich durch eine glanzvolle Improvisation, worin er einen Angriff auf seine Glaubensgenossen, die Juden, mit der siegreichen Gewalt eines tiefgekränkten Gefühls zurückschlug, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog und mit einem Male den Ruf eines der besten Redner der Paulskirche gewann. Dieser Ruf steigerte sich seitdem mit jedem neuen Auftreten Niessers. Seinen höchsten Gipfel erreichte er in jener epochemachenden Schlußrede zur Vertheidigung des Welckerschen Antrages, einem Meisterstück klarer, scharfsinniger, geistvoller, vor Allem aber von der Wärme edler Leidenschaft und tief patriotischen Gefühls durchwehter Beredsamkeit. Riessers Stärke als Redner beruht hauptsächlich auf diesem starken sittlichen Pathos, daneben auf einer scharfen Dialektik und einer geistreichen, ich mochte sagen, sinnigen Weise, moralische und politische Wahrheiten aus der umhüllenden Schale verworrener Thatsachen wie einen leuchtenden Kern in großartiger Einfachheit und Klarheit hervortreten zu lassen. Riesser besitzt ein außerordentliches Feingefühl für alle, auch die verstecktesten Verzweigungen sowohl des ihm i) Karl Biedermann: Erinnerungen aus der Paulskirche. Leipzig (1848 S. 830 sf.).