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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 191

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Abwehrvereine oder Einkehrvereine?
Date
1897-04-01
Page
191 (sequence 5)
Language
German
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Abwehrvereine oder Linkehrvererne. 191 Niedersten Erwerbsrücksichten, z. T. auch aus Chauvinismus und Fanatismus, der der wahren Religiosität und dem wahren Vaterlandsgefühl nur schädlich sein kann, nicht einmal vor den handgreiflichsten Verleumdungen zurückschrecken? Möchten nicht jene Verleumder gern die Ansicht verbreiten, daß wir alle Meuschensreffer seien? Der allgemeine Kulturzustand ist nicht so weit, daß dergleichen, wie es verdiente, nur Lachen und Entrüstung gegen die Verbreiter der Schandlügen hervorriefe. Wir müsien auf dem Rechtswege einschreiten, wenn die öffentliche Meinung nicht weiter verwirrt werden soll. Sonst könnten wir mitten in unseren Bemühungen, dem Rathe des Herrn Hartenau entsprechend, „Stammeseigenschasten, welche unseren Landsleuten verhaßt sind, abzulegen und die Gesammtheit der moralischen Werthe zu erhöhen", durch gründlich irrgeführte Volksmaffen zu Grunde gehen. Abwehrvereine, welche sich mit der Widerlegung antisemitischer Verleumdungen und der Bestrafung antisemitischer Verleumder beschäftigen, sind unbedingt noth wendig! Selbstverständlich ist es auch gut, wenn diese zugleich danach streben, „die Gesammtheit der moralischen Werthe unter unseren Glaubensgenossen zu erhöhen." Namentlich muß das durch die historischen Schicksale unserer Glaubensgemeinschaft aufgedrungene übermäßige Streben nach Geld und Geldeswerth durch steten Hinweis auf ideale nicht durch Geld erwerbbare Güter vermindert werden. Ferner sind alle unberechtigten, d. h. nicht in der religiösen Ueberzcugung des Einzelnen wurzelnden Abweichungen in der Lebensführung von derjenigen der besten unter der Gesammtheit unserer Mitbürger nach Möglichkeit zu beseitigen. Natürlich können nicht nur die Vertheidigungsvereine, sondern auch gut geleitete Bildungs- und Wohlthätigkeitsvereine in diesem Sinne wirken. Namentlich fällt letzteren die Aufgabe zu, eine stärkere Betheiligung unserer Glaubensgenossen an Handwerk und Bodenkultur hervorzurufen. Erfreuliche Ansätze liegen in der von Herrn Consul Simon gestifteten Anstalt zu Ahlem bei Hannover vor. Gerade Veränderung und Bildung der großen Maffe unserer Glaubensgenossen ist heut zu Tage weit wichtiger als die Züchtung einzelner noch so hervorragender Patrizier in geistiger und körperlicher Tüchtigkeit.

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