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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 190

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Abwehrvereine oder Einkehrvereine?
Date
1897-04-01
Page
190 (sequence 4)
Language
German
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190 Im deutschen Reich. mit einem Worte des Radauantisemitismus, der auch zur Wiederbelebung des sehr zurückgegangenen gesellschaftlichen Antisemitismus erheblich beigetragen, war nur durch das jahrelange Fehlen jeder organisirtenAbwehr möglich! Nur so konnte das von Hartenau mit Recht als „widerwärtig und unsittlich" bezeichnete Schauspiel „associrter Interessen und Glaubensbegriffe" entstehen. Zahlreiche Lumpen erblickten in der Förderung des Antisemitismus auch eineFörderung ihres eigenen Geldbeutels, und Parteien, welche einflußreiche Interessengruppen vertraten, schlossen sich ihnen an. Die Häupter der jüdischen Gemeinde in der Hauptstadt des deutschen Reichs, in welcher der politische Antisemitismus entstanden war, verzichteten auf jede eigene Bekämpfung des Antisemitismus, sodaß diese denGegnern jener Parteien überlassen blieb,welche an dem Antisemitismus eine gute Lockspeise für' politische Gimpel gewonnen hatten. Aehnlich wie Herr Hartenau hofften damals auch die jüdischen Notablen von einer Besserung der Juden vieles, als ob Leute vom Schlage eines Leuß, von Hammerstein, Ahlwardt -c. -die Hetze lassen würden, wenn die Juden sich plötzlich sämmtlich. zu sündenfreien Engeln entwickeln, was denn doch auch absolut nicht zu erwarten ist. Erst, als der politische Antisemitismus schon so weite Kreise ergriffen hatte, daß von einem Verschwinden erst in Decennien die Rede sein kann, gründeten einige christliche Mitbürger, welche die Schädlichkeit der antisemitischen Bewegung für dasdeutsche Volksleben erkannt hatten, den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Wenn dieser von Juden unterstützt wurde, so wird wohl auch Herr Hartenau wenigstens den Begründer dieses Vereins, Rudolf G n e i st, nicht für den Vertreter „negierender Strömungen" halten. Zweifellos hat dieser Verein, seinem Programme getreu, den Antisemitismus in Schrift und Wort zu bekämpfen und auch den zum Wachsthum der Gehässigkeit Anlaß gebenden Ausschreitungen einzelner Juden entgegenzutreten, manches Nützliche gewirkt. Allerdings hat sich dann gezeigt, daß ein solcher Verein, der aus Christen und Juden besteht, zur Bekämpfung des Antisemitismus nicht ausreicht. Mögen Männer wie Strack, Pohlmann, Freytag, Winter noch so überzeugend die Ungerechtigkeit der gegen uns erhobenen Vorwürfe uachgewiesen haben, was kümmert das jene Personen, welche aus

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