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Im deutschen Reich · 1897-03-01 · Heft 3 (März 1897) · p. 185

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 3 (März 1897)
Article
Max Jaffé [Rezension]
Date
1897-03-01
Page
185 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau. 1B5 vorher gesagt war: „In den Händen einer übrigens verhältnißmäßig geringen Anzahl von Juden hat sich eine übergroße KapiLalsmachL angehäuft." Die „Deutsche Tageszeitung" vom 5. März d. I. ist über dieses Zugeständniß so außer sich vor Freude, daß sie in der Aufregung die wesentlich einschränkenden, hier gesperrt gedruckten Worte fortläßt und dem Herrn Verfasser ihren tiefgefühlten Dank ausspricht. Hat der Verfasser wohl geahnt, wem er mit seinen Ausführungen in die Hände arbeitet? Wir nehmen an, daß diese unausbleibliche Folge von ihm nicht vorausgesehen worden ist, können ihm aber deshalb den Vorwurf nicht ersparen, daß er die Wahrheit verkannt und mit gefährlichen Waffen unvorsichtig gespielt hat. Eigenthümlich muß es berühren, wenn jemand, der diese und andere Fehler begeht, den Gegnern seiner Gedanken und Pläne vorwirft, sie kennen die wirthschaftlichen Fragen wohl aus der Theorie, stehen ihnen aber in Wirklichkeit fern und haben daher für die eminent wirthschaftliche Seite der Judensrage nicht das richtige Verständniß. Solche Männer, zu denen gewiß der Schreiber dieser Zeilen auch gerechnet werden wird, sind vielleicht zu beneiden gegenüber denen, die das richtige Verständniß und ausreichende Kenntniß besitzen, sie aber bedauernswerther Weise falsch anwenden, verhängnißvoll irren und andere verwirren. Wir unsererseits werden nicht aufhören, den Standpunkt Jcrffe's zu bekämpfen, wo immer wir ihn bemerken werden. Da wir die wichtigsten Voraussetzungen, aus denen Jaffö seine bedenklichen Schlußfolgerungen zieht, mißbilligen und verwerfen, so sind wir der Mühe überhoben zu prüfen, wo und wie Jaffö seinen „Nationalstaat" und seine Lustschlösser in ihm aufbaut. Die Frage, ob Morgen-, Mittag- oder Abendland den Vorzug verdient, ist für uns nicht vorhanden, also auch nicht zu erörtern; wir bleiben in unserem Vaterlande, dem wir uns mit Herz und mit Hand ergeben. Deshalb verwerfen wir den Grundsatz ubi dene, ibi patvia und kämpfen für die Verwirklichung des Satzes ubi patria, ibi bene. Gerade die Liebe zu unserem Vaterlande und unserem Gotte zwingt uns, nicht zu wanken und nicht zu weichen, sondern mit allen gesetzlichen und ehrlichen Mitteln die Rechte zu vertheidigen, die nach langem, heißem Kampfe errungen sind. Aus demselben Grunde legen wir als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens Verwahrung gegen die Herzl-Jaffs'sche Gründung des „Nationalstaates", der im letzten Grunde nichts anderes sein kann und wird als ein neues, großes Ghetto. Anerkennung und Dank hierfür ist den Herren verdientermaßen reichlich und freudig gespendet — von den Antisemiten. B.

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