Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Max Jaffé [Rezension]
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 184 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316628-2320135--02341-2320242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
184 Kiicherfchan. Max Jaffv: «Die nationaleWiedergeburt derJuden." (Verlag von Hugo Steinitz, Berlin 8^V. 12.) Herzlos „Judenstaat", der in dieser Zeitschrift 1896, Heft 4, besprochen und gebührend beurtheilt worden ist, hat in jedem unbefangenen Leser das Gefühl des Bedauerns und ernster Besorgniß erregt. Man mußte bedauern, daß so viel Wissen und Können auf einen verhängmßvollen Irrweg gerathen ist, und man mußte fürchten, daß das Verfängliche und Verführerische in Herzl's Gedanken und Plänen 'gar manchen verwirren und irreleiten könnte. Daß diese Befürchtung, die thatsächlich gehegt und ausgesprochen worden ist, berechtigt war, beweist die jüngst erschienene Schrift von Max Jaffe: „Die nationale Wiedergeburt der Juden", über die wir leider nicht schweigen dürfen, damit man uns nicht der Schwäche oder Begünstigung jener unpatriotischen und abenteuerlichen Pläne zeihe. Wir kennen den Herrn Verfasser nicht, vermuthen in ihm aber keinen klar und ruhig denkenden Mann, sondern einen schwärmerischen, leicht fortzureißenden Jüngling, der sich von Herzl's Raketen hat blenden lassen. Nur so kann der Mangel an Vaterlandsliebe und die Fülle unrichtiger Voraussetzungen erklärt werden. Während auf Seite 50 verlangt wird, daß die Bürger „von ganzem Herzen ihr Feuer auf dem Altar des Vaterlandes brennen lassen", lesen wir vorher und nachher immer wieder von dem Volk der Juden; es solle jedem, der genauer zufieht, einleuchten, daß die Juden „trotz ihrer Zerstreuung ein eigenes nationales Leben führen", daß sie „heute nicht minder national sind, als sie es zu jener Zeit waren, da die Bibel geschrieben und gelebt wurde". Ja, wer so die Geschichte der Juden deutet, dem kann man es nicht verargen, wenn er über seine Zeit- und Glaubensgenossen so urtheilt wie Jaffe, der den Reicheren unter ihnen die Auswanderung in seinen „Nationalstaat" nur deshalb nicht zumuthet, weil sie dort „elegante Unterhaltungen" und die „gewohnte Bequemlichkeit", nicht finden werden (S. 36), und zur Freude der Antisemiten (S. 18) erklärt: „Diese großen Geldmassen beeinflussen unter Beihülfe der abermals zum großen Theile in Händen der Juden befindlichen Tagespresse den Gang der Handelsgeschäfte, und nicht nur diesen, sondern nicht selten auch den Gang der Staatsgeschäfte", während unmittelbar