Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 181 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Vereinsnachrichten. 181 Die Thatsache, daß ich in der Generalversammlung des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischer Religion am 14. Dez. 1896 erschienen bin und einige Worte gesprochen habe, hat den Anlaß zu Vorwürfen geboten gegen mich, in einer Reihe von Tagesblättern, und, wie ich aus der Zeitschrift „Im deutschen Reich" sowie aus der „Post" ersehen habe, gegen den Vorstand. Letzterer Umstand veranlaßt mich zu einer Erklärung, da auch nur der Schein der Zweideutigkeit oder der Aufdringlichkeit auf meinem Verhalten nicht soll ruhen können und da das „Im deutschen Reich", Bd. 3, S. 114 ff. Gesagte Manchem als ergänzungsbedürftig gelten dürfte: 1. Ich bin durch einen der Gründer des Vereins (der Name ist nach der „Post" in der Februar-Versammlung genannt) zweimal so freundlich zum Anhören des Vortrages des Herrn G. Levinstein, also auch zum Besuche der General-Versammlung eingeladen worden, daß ich nicht wohl ablehnen konnte. Zum Worte gemeldet habe ich mich erst, nach dem einige Vereinsmitglieder mich dazu angeregt hatten. Meiner zurückhaltenden Antwort, daß ich mit dem Vorträge in wesentlichen Punkten nicht übereinstimme, hielten sie entgegen: das schade nichts, sie seien tolerant uud von mir auch Widerspruch zu hören bereit. — Unmittelbar nachdem ich gesprochen, verließ ich mit dem Herrn, der mich eingeführt hatte, die Versammlung. Was Herr Stud. Schaffer gesagt hat, habe ich nicht mehr gehört; auch ahnte ich nicht, daß er, bezw. was er reden würde. 2. Das Wort des Herrn Jesu „Gehet hin und lehret alle Völker" macht es mir allerdings zur religiösen Pflicht, dafür zu arbeiten, daß das Evangelium auch Israel nahe gebracht werde. Dieser Pflicht suche ich dadurch zu genügen, daß ich mich bemühe (durch meine nunmehr im 13. Jahre erscheinende Zeitschrift „Nathanael") den evangelischen Geistlichen Liebe und Verständniß für diese Arbeit einzuflößen und meinen jungen theologischen Zuhörern (im Institutum Judaicum) immer wieder einzuschärfen: „Lasset uns besser werden; dann wird's besser werden! Wirket mit allen Kräften dahin, daß die evangelische Kirche Allen, die nicht zu ihr gehören, ebenso liebenswerth wie achtunggebietend erscheine. Zu diesem Zweck müßt ihr nicht nur euren Glauben freimüthig vertheidigen, hohe Anforderungen an euch selbst stellen und über die Nebenmenschen mit Liebe urtheilen, soweit die Wahrheit gestattet, sondern auch der Ungerechtigkeit, wann sie Anderen widerfährt, entgegentreten." — Wer diese Art des „Missionirens" verurtheilt, dessen Tadel wird mein Gewissen nicht beunruhigen. Groß-Lichterfelde bei Berlin, Hermann L. Strack, 7. März 1897. Dr. tlieol. et Ml.