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Im deutschen Reich · 1897-03-01 · Heft 3 (März 1897) · p. 177

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 3 (März 1897)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1897-03-01
Page
177 (sequence 2)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 177 fanden. Als gefeierter Schriftsteller ließ sich Auerbach 1859 in Berlin nieder, wo er, von der Kaiserin Augusta und der Großherzogin von Baden mit besonderer Gunst beehrt, oft als Gast am Hofe ver. weilte. Ueberaus schmerzlich berührte ihn der Judenhaß, den Richard Wagner, mit dem er in Dresden mehrfach verkehrt hatte, 1869 in seiner Schrift „das Judenthum in der Musik" zum Ausdruck brachte. Mit Begeisterung erfüllte ihn aber 1870 der deutsch-französische Krieg; aus jener Zeit stammt sein Ausspruch: „Ich war ein Schwabe; 1870 bin ich ein preußischer Soldat geworden; zum Kanonenfutter ist der Jude nicht zu schlecht". Um so tiefer kränkte es ihn, daß man nach dem Kriege begann, den deutschen Juden die Berechtigung abzusprechen, Deutsche zu sein, daß die Erbitterung über Lasters Bloslegung des Treibens hochgestellter Gründer und der Groll der Ultramontanen über die angebliche Betheiligung von Juden am Kulturkämpfe dem Antisemitismus Vorschub leistete. Das judenfeindliche Verhalten Billroths und Willmanns „Goldene Internationale" erregten Auerbachs tiefsten Groll, der sich noch steigerte, als Stöcker und Treitschke den Judenhaß in den einflußreichsten Kreisen verbreiteten und sich unter den Juden der Mangel an Solidarität und an Verständniß für die Größe der Gefahr in betrübendster Weise kundgab. Vorübergehend gewährte dem wahrhaft „deutsch und jüdisch" empfindenden, in seinem innigsten Fühlen und Denken verletzten Schriftsteller das Eintreten wohlgesinnter Christen wie Forckenbeck, Gneist, Monimsen, Bertram u. A. m. Trost und Beruhigung. Als er im März 1881 an den Hof geladen, seinem Herzenskummer vor der Kaiserin Augusta und der Großherzogin von Baden Ausdruck verlieh, trösteten ihn die hohen Frauen mit wohlwollenden huldvollen Worten. Auch Ignatz DöllingerS philosemitifcher Vortrag in der Akademie der Wissenschaft zu München gewährte ihm eine zeitweise geistige Auffrischung. Aber alle seine Freunde sahen bald, daß die antisemitische Bewegung seine Gesundheit zerrüttet hatte. Und er wußte es und sagte zu Fritz Mauthner schmerzerfüllt: „Ich soll kein Deutscher sein, das hat mir einen Knacks gegeben — da sitzt es." Vergeblich suchte er im Süden Heilung; er starb am 20. Januar 1882 zu Cannes, von wo seine Leiche nach Auerbachs Geburtsort Nordstetten gebracht wurde. An seinem Grabe sprach sein treuer Freund Professor Dr. Moritz Lazarus, der in tiefempfundenen Worten das schilderte, was der Grundzug von Auerbachs Charakter war, die schwerverletzte aber unvertilgbareLiebe des deutschenJuden zum deutschen Volke. — Am den ergreifenden Vortrag knüpften sowohl der Vortragende als auch die Herren N. Wohlberg, Alphon se Levy

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