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Im deutschen Reich · 1897-03-01 · Heft 3 (März 1897) · p. 139

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 3 (März 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-03-01
Page
139 (sequence 5)
Language
German
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Gabriel Rieffer. 139 Sein in der ersten dieser Schriften 1830 erklärtes Vorhaben, „die Frage der Emanzipation der Juden in Deutschland, zu derm Entscheidung, wie zu der mancher ähnlichen Fragen unserer Zeit berufen scheint, auf eine offnere und ernsthaftereWeise als es sonst wohl geschieht, in Anregung zu bringen"") — hat er glänzend erfüllt. Offen und ernsthaft, nicht demüthig bittend, nicht wehmüthig klagend, nicht Gnade erflehend, nein, mannhaft das Recht fordernd — so trat er in die Schranken, so hat er in ritterlichem Gefecht den Drachen Judenhaß bezwungen. Er errang durch seine Streitschriften, durch die Art seines Kampfes sich die Anerkennung — auch der Ehrlichen unter seinen Gegnern, er hat den Namen Jude, den man hüben und drüben ängstlich mied und durch das in den Ohren empfindlicher Naturen besser klingen sollende: „Israelit" oder „mosaisch" ersetzte, zu einem klangvollen gemacht, als Aufschrift seiner Zeitschrift gewählt, von deren Bedeutung die neueste Geschichte derjüdischenLitteratur'") in der kühlen Kritik „das Blatt wurde anfangs gelesen, doch bald erkannte man, daß die Freunde der Juden es nicht brauchten, ihre Gegner aber es nicht in die Hand nahmen, und so ging es nach zwei Jahren wieder ein" — eine wenig zutreffende Anschauung giebt. Weit richtiger urtheilt Rieffers Biograph Dr. Jsler"): „Auch für den Namen Jude gewann Messer die Leser, das Blatt wurde gelesen und anerkannt, und man schämte sich seiner nicht; man begriff, daß nicht das Wort den Haß erzeugte, sondern der Haß das Wort zum Träger seiner Bosheit gemacht' hatte. Es fehlte nur der Muth offen entgegenzutreten; hatte es einer gethan, so folgte die Mehrzahl gern dem gegebenen Beispiel, und es ist Thatsache, daß von Seiten der Juden selbst der Name seitdem wieder zu höherer Geltung gebracht worden ist." Riefser selbst sprach sich darüber, daß er den Namen „Jude" und nicht wie in seiner Erstlingsschrift „Bekenner des mosaischen Glaubens" an die Spitze des Blattes gesetzt, also aus: „Wenn ungerechter Haß an unserm Namen haftet, sollen wir ihn dann verleugnen, anstatt alle unsere Kraft daran zu setzen, ihn zu Ehren n) o. a. O. IV S. 223. l2) Winter und 'Wünsche: Die jüdische Litteratur Bd. III S. 662. **0 Niessers ges. Schriften Bd. I S. 91.

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