Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 118 (sequence 10)
- Language
- German
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118 3m deutschen Reich. worden. Wenn der Central-Verein anfangs gegen Beschimpfungen des Judentums und seiner religiösen Einrichtungen mit Strafanträgen vorging, stieß er schon bei den Staatsanwälten auf Ablehnung. Später wurden diese von den Oberstaatsanwälten zum Eingreifen veranlaßt, dann bedurfte es dieser Anregung garnicht mehr. Längere Zeit verging noch, ehe die Richter ein williges Gehör liehen und jetzt stehen wir vor der erfreulichen Thatsache, daß Reichsgerichtsentscheidungen vorliegen, wonach der höchste deutsche Gerichtshof Beschimpfungen der jüdischen Religion unter Strafe stellt, auch wenn dieselben sich nicht in rohen Ausdrücken kundgeben. Der Vortragende zeigte, daß sich die Thätigkeit des Central-Vereins nicht nur auf den eigentlichen Rechtsschutz im engeren Sinne beschränkt habe, daß der Vorstand vielmehr überall, wo, sei es durch die antisemitische Presse, sei es durch einzelne Antisemiten, Juden wegen ihres Bekenntnisses oder wegen ihrer Abstammung gekränkt wurden, nach Möglichkeit eingegriffen, rathend und helfend gewirkt und wiederholt auch durch Eingaben an Verwaltungsbehörden Abstellung antisemitischer Mißstände bewirkt habe. Niemals habe sich aber der Vorstand verhehlt, daß diese Abwehr nach außen nur dann dauernde Erfolge erzielen könne, wenn gleichzeitig eine Gesundung der inneren Zustände und eine Verinnerlichung des Judenthums bewirkt werde. Dieses Streben, diese Thätigkeit nach innen, werde aber wiederum wesentlich gefördert durch das gemeinsame Wirken nach außen. Dadurch, daß im Central-Verein sich zu diesem Zwecke Männer der verschiedensten religiösen Richtungen, Angehörige der mannigfachsten politischen Parteien die Hand reichen, Schulter an Schulter kämpfen für ihre heiligsten Güter, für ihre Ehre, für ihre Religion und für die Zukunft ihrer Kinder, ist mancher kleinliche innere Zwist beseitigt, das Gefühl der Zusammengehörigkeit wieder wachgerufen, das Rückgrat jedes deutschen Juden wieder gekräftigt, die Fahnenflucht wieder als Schmach erkannt worden. Männer, die ihr Judenthum fast vergessen hatten, empfinden jetzt das entsetzliche Unrecht, welches vielfach ihren Glaubensgenossen widerfährt; sie stellen sich nicht nur auf die Seite der Bedrängten, sondern bekennen sich selbst wieder offen als Juden und fühlen sich auch im innersten Herzen als solche. Wohl gebe es noch immer solche, welche durch die Zurücksetzungen veranlaßt würden, sich selbst oder doch ihre Kinder taufen zu lassen. Aber auch diese schämen sich ihrer Feigheit, während Andere, die sich früher freuten, wenn man sie nicht für Juden hielt, offen bekennen, ich schäme mich meines Glaubens nicht, ich bin ein Jude! Die gemeinsame Abwehr nach Außen, die gemeinsame Arbeit nach Innen im Geiste der