Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 58 (sequence 1)
- Language
- German
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58 Nrreinsrmchrichte«. „WaS bringt zu Ehren? Sich wehren!" Mit diesem Wahlspruch des Altmeisters Goethe setzen wir das vor vier Jahren begonnene Werk der „Selbstvertheidigung im vollen Lichte der Oeffentlichkeit" auch in dem neuen Jahre fort; unbekümmert um einzelne Mißerfolge und ohne uns durch einen Erfolg zu trügerischem Sicherheitsgefühl verleiten zu lasten. Nichts könnte bei dem jetzigen Stande der antisemitischen Bewegung für die Stellung der Juden im deutschen Vaterlande verhängnisvoller werden, als wenn sie der Zusammenbruch verschiedener katilinarischer Existenzen in den Reihen ihrer Gegner in der irrigen Annahme bestärken würde, nun sei ihr Anrecht auf die ihnen verfassungsmäßig zustehende staatsbürgerliche Gleichstellung von keiner Seite mehr bedroht. Der Antisemitismus der Gaste ist wohl nahezu verschwunden, nicht aber jene schlimmere, gefährlichere Gegnerschaft, welche durch keine sichtbare, aber um so schmerzlicher fühlbare Scheidewände die alten Ghetto-Mauern ersetzt hat und es selbst den fähigsten Staatsbürgern jüdischen Glaubens erschwert, sich ganz und voll an der Kulturarbeit des deutschen Volkes, dessen Theil sie bilden, freudigen Herzens zu betheiligen. Diese Scheidewände zu zertrümmern, muß unser rastloses Bestreben sein und dieses Streben wird schließlich von Erfolg gekrönt werden, weil die Mehrheit des deutschen Volkes Mannesmuth und Ehrgefühl zu schätzen weiß und diejenigen Juden am höchsten achtet, welche sich als deutsche Staatsbürger nichts gefallen lasten, was eines Deutschen unwürdig ist, welche für ihr Recht zu kämpfen entschlossen sind und sich dasselbe weder offen noch auf Umwegen verkürzen lassen wollen. Um einen Strohhalm fechten, wenn Ehre auf dem Spiele steht, muß deshalb unsere Losung bleiben, und in uns muß dabei die Ueberzeugung leben, daß wir, wenn wir die „Spottgeburt von Dreck und Feuer" bekämpfen, wo und in welcher feinen Umhüllung sie uns entgegentritt, nicht nur für unsere religiöse Ueberzeugung eintreten, sondern für das gesammte deutsche Volk, dem die hetzenden Dunkelmänner zur Unehre und zum Nachtheil gereichen. In diesem Kampfe ist wiederholt das Unbedeutende Ereigniß geworden. Der Central-Verein konnte deshalb nicht müssig bleiben, äks vor einigen Wochen in einem von dem Kreisblatt für das West Havelland veröffentlichten und außerdem noch als