Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 50 (sequence 4)
- Language
- German
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50 3m deutschen Reich. keine Macht mehr da wäre, welche die Gesetze zu schützen stark genug ist, das Gleiche passire wie in der Türkei. Von Juden ist meinerseits oder von jemand Anderem nicht gesprochen worden. Ad 3. In dem genannten Lokal giebt es weder Stammtisch noch Stammgäste. Ad 4. Hotelwirth, Oberkellner und Kellner erklären, daß ihnen Aeußerungen, wie die angeführten, nicht zu Ohren gekommen smd. Achtungsvoll Hermann K e l b e r." Hier steht Behauptung gegen Behauptung. Für die Richtigkeit unseres Berichtes hat sich Herr A. Pinkusfeld im Hause Jonas Schlesinger, hier, als Ohrenzeuge verbürgt; außerdem ist uns aus Hof i. B. auf Anfrage direkt mitgetheilt worden, daß der Fabrikdirektor Kelber dort alsenragirterAntisemit bekannt s e i und daß man ihm antisemitische Hetzreden wohl zutrauen könne! Der Redakteur der „Staatsbürger-Ztg.", Berger, wurde zu «iner Geldstrafe von 30 Mk. verurtheilt, weil er am 21. Okt. v. I. den Beschluß der Strafkammer über die Beschlagnahme derjenigen Nummer der „Staatsb.-Ztg.", worin mitgetheilt war, daß das Versahren gegen v. Lützow und Leckert eröffnet worden sei, vorzeitig veröffentlicht hat. Die Privatklage des Pfarrers Witte gegen den ehemaligen Hofprediger Stöcker wird am 29. Januar, Mittags 1 Uhr, vor der Berufungs-Instanz verhandelt. Als Zeugen sind geladen die Pfarrer Krolow und Leonhardt, Frau Pfarrer Witte, Profeffor Di\ Strack, die Redakteure Oberwinder und von Gerlach, Kreutzberg, Postsekretär Henning, Schneider Grüneberg und dessen Frau. In Folge des „Judengeld-Sammler"-Prozesses hat der Redakteur Carl Sedlatzek vorläufig 10 Klagen anstrengen lassen, nämlich gegen den Oberhofmeister Freiherrn von Mirbach und gegen die verantwortlichen Redakteure des „Berl. Tageblattes", der „Berl. Ztg.", der „Berl. Morgen-Ztg.", des „Börsen-Couriers", der „Na- Lional-Ztg.", der „Volks-Ztg.", des „Kleinen Journals", der „Deutschen Warte" und der „Berl. Abendpost", weil seiner Meinung nach ersterer bei seiner Zeugenaussage , über die ihm zustehenden Grenzen hinausgegangen sein soll, letztere bei Besprechung des Prozesses den Rahmen einer berechtigten Kritik überschritten haben sollen. Der Reichstagsabgeordnete A h l w a r d t hat sich von Amerika nach Deutschland eingeschifft. Seine in Berlin lebende Familie soll seit längerer Zeit ohne Nachrichten von ihm geblieben sein. In antisemitischen Kreisen wird, der „Köln. Volksztg." zufolge, erzählt, seine Frau, welche er nicht genügend unterstützte, habe ihm gedroht, seine gesammte Korrespondenz seinen Gegnern auszuliefern, und deswegen bereits mit Berliner Redaktionen verhandelt.