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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 35

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Aus lichteren Tagen
Date
1897-01-01
Page
35 (sequence 2)
Language
German
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Aus. lichteren Tagen. 35 schorenen wieder los," erwidert er seinem ab mahnenden Weibe; er fürchtet einen neuen Anschlag der Mönche gegen seine GlaubenSgenoffen und will ihn abwehren (1. Gesang). Das war ein Mißverständniß; auf dem Schloß wird eben ein Bankett des Adels gefeiert; der Burggraf hat vergessen, dem Juden abzusagen. Da er nun aber zur Stelle ist, wird er in den Saal gezogen und muß mittrinken. Er wird abwechselnd gehöhnt und gefeiert, bis die Trunkenen endlich mit dem.Rufe: „Der Jude muß sich taufen laffen!" auf ihn eindringen und ihn zu tödten drohen, wenn er die Ceremonie nicht sofort über sich ergehen lasse. Vom Wein und der Todesfurcht gelähmt, läßt er es geschehen, daß ihn ein anwesender Prälat sofort tauft (2. Gesang). Ein ehemaliger Jude, nun Mönch auf dem Hradschin, eilt in selbiger Nacht in's Ghetto, das Geschehene zu melden: „Wie auch sein Herz die Juden haßt — Empörung hat es doch erfaßt, — Als den Primator er geseh'n — Zu Christo taumelnd übergeh'n. — Jst's dieses nur, was ihn ergrimmt? — Jst's ein Erinnern, das noch glimmt? — Denkt er der Qual, die dnrch's Gemüth — Der jüdischen Familie glüht, — Wenn einer von Jehovah läßt — Und Christum an die Seele preßt? — O aller, aller Thränen Fluth — Auslöscht sie nicht der Schmerzen Gluth!" Er pocht den Vater des Primators aus seinem Hause und verräth ihm Alles (3. Gesang). Der entsetzte Greis ruft sofort ein Gericht (Beth-Din) von drei Rabbinen zusammen und fragt, was ein Vater in solchem Falle zu thun habe. Als Antwort erzählen sie ihm eine Märtyrergeschichte aus der Zeit der Kreuzzüge: Ein Vater hat seine Kinder gemordet, um sie nicht Christen werden zu lassen (4. Gesang). Der Vater des Primators tödtete in selbiger Nacht den heimgekehrten Sohn, nachdem er sich überzeugt, daß dieser Christ geworden, und zündet dann das Haus an, die Spuren seiner That zu verwischen (5. Gesang). Vor seinem Ende beichtet der Greis seine That (6. Gesang). Nun Grün's Kritik: Gratz, 31. 10. 60. Mein lieber und verehrter Freund! Vorerst muß ich Ihre Nachsicht beanspruchen, für die Verspätung meiner Antwort sowohl, als auch der Rücksendung des mir freundlichst anvertrauten Manuskripts.

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