Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Der Aberglaube und das Gerichtszeugniß
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 24 (sequence 8)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. M der Wahrheit absolut entbehrten, die Prüfung des Beweismaterials, wie sie seitens der-modernen Historiker, entsprechend dem Worte des größten Historikers aller Zeiten sine ira et stndio erfolgte, hat ergeben, daß jene Verleumdungen der Templer und Neformirten nicht minder der soliden Basis entbehrten und lediglich einer vorgefaßten Meinung entsprangen, wie die Beschuldigungen, welche man gegen Hugenotten und Waldenser ausstreute. Die kritische Geschichtschreibung unserer Tage ist sich vollkommen der geringen Glaubwürdigkeit bewußt, welche die, sei es auch optima fide, abgegebenen Aussagen abergläubiger und vorurtheilsvoller zeitgenössischer Zeugen besitzen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die öffentliche Meinung etwas von diesem kritischen Geist der modernen Geschichtsforschung und namentlich, wir sagen es mit Stolz, der deutschen in sich aufnähme, um nicht ohne Weiteres ein verdammendes Urtheil zu fällen, welches, wie in exakter Weise später nachgewiesen wird, jeder Berechtigung und Begründung entbehrt. Es lag uns fern, in unseren vorstehenden Ausführungen nach irgend welcher Richtung hin Vorwürfe zu schleudern, am allerwenigsten gegen die Personen, welche unter der umnachtenden Feffel des Aberglaubens die Kontrole über ihre Sinneseindrücke und Sinneswahrnehmungen verlieren. Gleichen sie in dieser Beziehung doch unmündigen Kindern, welche die Grenzlinie zwischen Wahrheit und Phantasie nicht einzuhalten wiffen, von denen das milde Wort geschrieben steht: „Vergieb ihnen, denn sie wiffen nicht was sie thun." Es ist freilich ein sehr betrübendes Zeichen für die Langsamkeit, mit welcher die Sonne der Erleuchtung die Eiskruste der Vorurtheile und des Aberglaubens zerschmilzt, daß in der Zeit Darwins wir noch mit Faktoren zu rechnen und zu streiten haben, die für das Schicksal eines Galilei und Giordano Bruno, eines Vanini, Serrvet und der anderen Märtyrer der Wiffenschaft, deren Zahl Myriaden ist, in erster Linie bestimmend waren. Wir sehen darin einen Beweis für die Macht des Trägheitsgesetzes im geistigen Leben der Völker. Die Sozial- und Völkerpsychologie muß mit diesem Faktor rechnen, will sie anders die alleinige Methode wahrhafter Erkenntniß dieser Erscheinungen des Völkerlebens, die exakte, nicht unberücksichtigt und unbeachtet lassen. Von einsichtsvollen Männern hört man sehr häufig bei Besprechung dieses Themas die Aeußerung, daß hier ein Mckfall in die Nacht des Mittelalters