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Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 638

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1896-12-01
Page
638 (sequence 5)
Language
German
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638 Im deutschen Reich. Lehrkräfte her?"" 600 jüdische Gemeinden hätten sich für den obligatorischen Religionsunterricht ausgesprochen. Behufs Ermöglichung desielben sei bereits eine ansehnliche Summe aufgebracht. Sodann warnte Herr Rechtsanwalt I a c u s i e l vor jeder Ueberschätzung der Gleichheit und vor einem Zwang, der sich mehr gegen die Eltern der Schüler, als gegen letztere richte. An der weiteren Debatte betheiligten sich die Herren Klausner, Commerzienrath I s a a c, Di'. Schneider, Dr. Koehne und Privatlehrer Saul. Nachdem Herr Dr. I. I a c u s i e l als Referent in dem Schlußwort nochmals seine Ansicht vertreten hatte, wurde ein Antrag, die Stellung der Versammlung zu der Frage des obligatorischen Religionsunterrichts durch eine Abstimmung festzustellen, von der Mehrheit der Anwesenden abgelehnt, worauf Herr Joseph die Versammlung schloß. Die ordentliche General-Versammlung des Eentral-Vereins wurde am Montag, den 14. Dezember im Saale der Gesellschaft der Freunde, Berlin W., Potsdamerstraße 9, abgehalten. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz, die Versammlung eröffnet hatte, hielt Herr Gustav L e v i n st e i n - Gr.- Lichterfelde einen Vortrag „Der Glaube Israels", in welchem er die beiden Fragen beantwortete: „Weshalb sind wir Juden?" „Weshalb bleiben wir Juden?" Die tiesdurchdachten und dabei von warmer -Begeisterung für den mosaischen Glauben zeugenden Ausführungen des Vortragenden fanden lebhaften Anklang. Insbesondere erzielte der zweite Theil durch eine überzeugende, gedankenreiche und dichterisch schwungvolle Behandlung des Themas eine wahrhaft zündende Wirkung, so daß sich am Schlüsse des Vortrags langanhaltender Beifall kund gab. Der Vorsitzende gab dem Tanke der Versammlung nochmals Ausdruck und bemerkte dabei etwa Folgendes: Wenn das Thema des Vortrages eigentlich nicht in den Rahmen unseres Vereins zu gehören scheine, sei dies dennoch in Bezug auf den Grundgedanken der Fall, das; nur Juden alle Veranlassung haben, unfern Glauben hoch zu halten und ihm nicht den Rücken zu kehren. „Uns genügt die Ueberzeugung, daß unser Glaube gut ist und daß "Niemand uns den Nachweis bringen kann, fein Glaube sei besser. Deshalb möge der gehörte Vortrag uns darin bekräftigen: Jeder bleibe dem Glauben der Väter treu, jeder bleibe Jude, der das Glück hat, ein Jude zu sein!" (Lebhafter Beifall.) . Nach einer kurzen Pause gab der Vorsitzende, Herr Dr. H o r w i tz, einige geschäftliche Mtttheilungen über das erfreuliche Wachsthum des Vereins, der danach streben müsse, eine Vertretung aller deutschen Jitden zu werden. Bei dieser Gelegenheit rühmte der Vorsitzende den Eifer einzelner

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