Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 618

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Umschau
Date
1896-12-01
Page
618 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316611-2316623-2319569--01848-2319647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

618 Im deutschen Reich. immer zu vertreten behauptet. Bis jetzt hat Herr Berger aber ein derartiges Wort nicht gefunden. Dem Staatssekretär persönlich ist an der Bestrafung der einzelnen Angeklagten nichts gelegen, er hatte seine schwer gefährdete Ehre zu wahren; deshalb hat ersich indieOeffentlichkeit geflüchtet, und der Gerichtshof wird, denke ich, nickt umhin können, den schwer beleidigten Herren zu sagen: Wir gewähren Euch den nachgesuchten Schutz und geben Euch Euer Recht." Der Gerichtshof hat dieser Erwartung entsprochen, indem er den Angeklagten LeckertMn. wegen verleumderischer Beleidigung in drei Fällen zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß/ v. Lützow wegen wiederholter Beleidigung nach § 186 zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß, 3>. Plötz zu 500 Mark Geldstrafe, Berger zu l Monat Gefängniß und Föllmer zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilte. Der Mitangeklagte Leckert son. wurde freigesprochen, außerdem ist, dem Anträge des Staatsanwalts entsprechend, auf Einziehung der Schriften, Unbrauchbarmachung der Platten und Formen und Publikation des Erkenntnisses im „Reichsanzeiger", in der „Staatsbürger- Zeitung" und der „Welt am Montag" erkannt worden. Auf alle interessanten Zwischenfülle dieser Gerichtsverhandlung, an die sich wettere bedeutungsvolle Prozesse anschließen werden, haben wir keine Veranlassung einzugehen. Einzelne Zwischenfülle find aber für das Wesen und die Kampfmittel unserer erbittertsten Gegner so bezeichnend, daß sie hier erwähnt werden müssen. Eine Aussage des allerdings inzwischen unter dem Verdacht des Meineides verhafteten Kriminalkommissarius v. Tausch hat die Aufmerksamkeit auf den Konsul Nen^ in Stettin gelenkt, der ein eifriges Mitglied des Bundes der Landwirthe ist und auch auffallende Beziehungen zu hervorragenden Antisemiten unterhalten zu haben scheint. Rene hat dies letztere zwar öffentlich in Abrede gestellt, aber noch nach seiner Berichtigung warf das Stöcker-Blatt „Volk" am 9. Dezember die bemerkenswerthe Frage auf: „Wer war es, der im Aufträge des Abgeordneten l>r. Freiherrn v o n L a n g e n zu Paasch nach Zürich gereist ist und in der Sache P a a s ch - v o n L i e b e r m a n n den Zwischenträger spielte?" Auch auf die Persönlichkeit des Journalisten Tormann« Schu m a n n ist ein grelles Licht gefallen. Der Genannte hat als Journalist unter dem angenommenen Namen I)r. Mundt dem La uten er Prozeß beigewohnt. Der Staatssekretär v. Marschall selbst erklärte, er habe die Beziehungen zu der politischen Polizei abgebrochen, weil ihm u. Ä. die Verwendung des Herrn Normann- Schumann höchst sonderbar vorgekommen sei. Dieser Herr sei im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.