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Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 609

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Zwei Dichter
Date
1896-12-01
Page
609 (sequence 1)
Language
German
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609 Zwei Dichter. er Jude ist des Deutschen Geistesverwandter!" Das war der „«StLSL Grundgedanke meines Essays „Deutsche und Juden", der vor einiger Zeit in dieser Zeitschrift veröffentlicht wurde. Ich habe dort .den Nachweis zu führen gesucht, daß die in vielen Kreisen herrschende, geflissentlich verbreitete, falsche Auffassung, als wäre der Jude den Empfindungen anderer Menschen und am meisten dem Gefühlsleben der Deutschen fremd, die Hauptursache der gegen uns gerichteten Lieblosigkeiten ist. Es ist deshalb unsere Pflicht, nach Kräften diesen Jrrthum zu bekämpfen und denen, welche ihn böswillig verbreiten, die afterwissenschaftliche Maske herunterzureißen. Dies wurde in dem Aufsatz „Deutsche und Juden" angestrebt und soll jetzt durch Vergleichung zweier geistesverwandter Dichter bekräftigt werden. Man betrachtet heute die großen Männer nicht mehr von Allem losgelöst an sich, sondern als hervorragende Vertreter der Gcrneinschaften, denen sie entstammen. Dies verleiht jeder Familie, ja jedem Lande ein Recht, stolz zu sein auf die großen Geister, die aus ihnen hervorgegangen. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sind als Deutsche berechtigt, sich eines Dichterfürsten wie Walther von der Vogelweide, als Juden eines ebenbürtigen Geistesheldcn wie Jehuda Halevi mit lebhaften Sympathien zu erinnern, niit besonderer Befriedigung aber auf so manches, was Beiden gemeinsam war, hinzublickcn. Die hohe Bedeutung beider Dichter haben bereits ihre Zeitgenossen anerkannt. Scho» Gottfried feiert im Tristan seinen Genossen Walther von der Vogclweide als die Racht i g a l l und Thomasin von Zerkläre im „Wälschen Gast" beklagt sich 'über die weitgehende Wirkung seiner Verse. 42

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