Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit [Rezension]
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 591 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 591 Centralverein an die Juden in Deutschland den Ruf hat ergehen lassen: Vereinigt euch, organifirt euch, wie er immer wieder in Wort und Schrift zum Zusammenschluß aller aufgefordert hat, weil nur durch Organisation und Centralisation in diesem Kampfe sich Ersprießliches wirken läßt, so will Ernst in allen Ländern große Landesvereine gründen, Vereine „für Aufklärung und Gewissensfreiheit". Diese Vereine sollen sich in zwei Gruppen theilen, die belehrende und die kämpfende. „Der Wirkungskreis der ersten Gruppe wäre, durch Zeitschriften,Vorlesungen, Verbindungen mit Humanitären und Bildungsvereinen auf die großen Massen veredelnd zu wirken. Der zweiten Gruppe würde es obliegen, jene Individuen oder Genossenschaften zu bekämpfen, welche' sich gegen die Freiheit des Gewissens durch Worte, Schriften oder Handlungen vergehen." Jeder Leser dieser Zeitschrift wird erkennen, daß dies die Wege sind, auf denen der Central- Verein seit Jahren seinen Zielen nachgeht, und so weit stimmen wir mit Ernst in allen wesentlichen Punkten überein. E. geht aber weiter. Wie sein „Verein für Aufklärung und Gewissensfreiheit" nicht bloß für die Juden, sondern für jede Religionsgemeinschaft und für jedes Individuum einzutreten hätte, das wegen seiner Konfession angegriffen wird, für die verfolgten Christen im Orient, für die bedrückten Muhamedaner, für die geknechteten Hindus, so sollen alle Landesvereine sich zu einem internationalen Hauptverein zusammenschließen. Dieser Hauptverein soll „die Direktiven geben für alle großen Aktionen dieser Organisation", soll wohl auch, wenn ein Landesverein nicht stark genug ist, vorhandene Mißstände zu beseitigen, durch seine Thätigkeit und durch die große moralische Macht, die einem so gewaltigen Verein innewohnen muß, helfend eintreten. Ob heut ein solcher internationaler Verein, der doch . in die Lage kommen würde, in die innere Politik einzelner Länder eingreifen zu sollen, Aussicht auf Erfolg hat, scheint mir zum mindesten zweifelhaft. Die vor einigen Jahren gemachten Erfahrungen, als englische Notablen dem Zaren eine Denkschrift zu Gunsten der russischen Juden überreichen wollten, sprechen nicht dafür. Welcher Staat würde wohl einem solchen Vereine Einfluß auf seine Entschließungen, auf die Handhabung der Gesetze und die Maßregeln der Verwaltung einräumen? Wenn wir also in den übrigen Grundgedanken der Ernst'schen Schrift völlig übereinstimmen mit ihm und den Juden aller Länder als das beste, das einzige Hilfsmittel empfehlen thatkräftige Abwehr aller Angriffe und Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte, so möchten wir doch über die Bildung von Landesvereinen nicht hinausgehen; es wird auch für die politische Schulung und die