Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 570 (sequence 2)
- Language
- German
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570 Im deutschen Reich. recht lebensfähige ist, aufrecht zu erhalten. Ich habe, da die Regierung die Benutzung des' allerdings ganz unzulänglichen jetzigen Schulraumes nicht länger dulden will, den Neubau einer Schule angeregt. auch bin ich der Verfasser der anliegenden herzlichen Bitte. (Diese im Druck beigefügte Bitte geht von dem Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Calcar aus und ist an die israelitischen Glaubensgenossen im Lande gerichtet. D. Red.) Wir haben mit unserem Unternehmen bis jetzt guten Erfolg gehabt, circa 1500 Mark sind schon gesammelt. Noch gestern übersandte der Herr Rabbiner Dr. Frank in Köln 200 Mark als Gabe der Alliance israSlite universelle, auch der »Israelitische Gemeindebund" hat uns kräftig unterstützt. Die israelitische Gemeinde in Calcar hat es durch ihr treues Zusammenhalten, durch ihr Leiden in schwerer Zeit, durch den rechtschaffenen Lebenswandel ihrer Glieder wohl verdient, daß ihre Glaubensgenossen ihr in dieser bedrängten Lage helfen. Wenn es auch hier in keiner Weise auffallend erscheint, daß ein evangelischer Pfarrer für seine israelitischen Mitbürger eintritt, so liegen anderswo die Verhältnisse anders. Darum möchte ich mein Eintreten motiviren. Abgesehen von meiner dienstlichen Stellung zur israelitischen Gemeinde, bin ich hier seit zwölf Jahren in dieser stockultramontanen Gegend der Repräsentant und der Mund der bedrückten Minoritäten. Das sind die evangelischen Gemeinden, deren Pfarrer ich bin, und die israelitische Gemeinde, die sonst Niemand hat, der sich ihrer annähme. Die große Freiheit, welche meine Stellung mir gewährt, habe ich stets im Dienste meiner Mitmenschen ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntniß benutzt. Den Antisemitismus sehe ich mit allen meinen Glaubensbrüdern am Niederrhein als etwas Verächtliches und Schmachvolles an. Meine Glaubensüberzeugung drängt mich, alle Menschen zu lieben und Allen zu helfen, vor Allem den Schwachen rc. rc. Das Dresdner Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" bemerkt hierzu: „Wenn der Pfarrer Pennekamp sich für verpflichtet hält, für den Bau eines jüdischen Schulhauses in Calcar mit Bettelbriefen an jüdische Gemeinden unter seinem Namen heranzutreten, so ist das seine Sache. Jedenfalls ist er aber nicht befugt, im Namen aller seiner „Glaubensbrüder am Niederrhein" zu sprechen. Sein U r t h e i l über d e n A n r i s e m i t i s m u s , auf das sich jubelnd die Judenpresse bezieht, wollen wir dem Herrn Pfarrer verzeihen, obwohl Unkenntnis; sonst nicht vor Strafe schützt; der ehrenrverthe Herr Pfarrer hat offenbar keine blasse Ahnung von der kulturellen, wissenschaftlichen, künstlerischen, wirthschastlichen und nationalen Bedeutung des Antisemitismus und spricht kritiklos nach, was ihm vorgelogen worden ist. In den Augen r e i n d e u t s ch Empfindender ist es Strafe genug für ihn als christlichen Priester, das; er in