Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 569 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 569 des Antisemitismus einzulassen. Jedenfalls aber wirkt der neue herrschende Geist im Nachbarreiche auch von dieser Seite her wie ein Sprengmittel, und die Trümmer, die er um sich her verbreitet, begraben unter sich das Deutschthum selber. In Oesterreich wird es noch sehr schlimm werden müssen, ehe es bester werden kann." Gleiches dürfte in Frankreich der Fall sein. Ten französischen Deputirten wurde vor Kurzem eine von dem Pariser Schriftsteller Lazare verfaßte „Ein Iustizirrthum" betitelte Schrift zugesendet, in welcher der Verfasser den Nachweis zu führen sucht, daß der frühere Hauptmann Dreysus unschuldig verurtheilt worden ist. Die Flugschrift bringt eine Maste Materials herbei und giebt deutlich zu verstehen, daß die Fülle verwirrender Mittheilungen, die über diesen Prozeß in der Pariser Presse publizirt worden sind, von beteiligter Seite lanzirt wurden. Das Pariser Blatt „Matin" brachte neuerdings das Facsimile des angeblich auf der deutschen Botschaft entwendeten Briefes, in welchem Dreysus zu Folge der gegen ihn erhobenen Anklage die Absendung gewisser militärischer Urkunden anzeigt. Dieser Brief soll das einzige Dokument gewesen sein, welches die Derurtheilung des Kapitäns Dreyfus begründete, den jetzt einzelne französische Blätter als einen „Märtyrer" bezeichnen. Den Deputirten, welche die französische Regierung zwingen wollten, gegen Lazare vorzugehen, war es anscheinend mehr darum zu thun, den Ministern Verlegenheit zu bereiten, als den Antisemitismus zu fördern. Nach der Debatte über die betreffende Interpellation nahm die Kammer eine Tagesordnung an, welche das Vertrauen für die Negierung ausspricht und nur Strafverfolgung verlangt, wenn die Regierung dies für angemessen hält. A. L. Korrespondenzen. * Berlin, 26. November. Dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde ist aus C a l c a r am Niederrhein nachstehendes Schreiben des evangelischen Pfarrers Pennekamp zugegangen: Die israelitische Gemeinde zu Calcar, eine arme Gemeinde, da sie seit der Xantener Affäre wirthschastlich nicht vorwärts kommen kann, steht vor der Nothwendigkeit, ein Schulhaus bauen zu muffen. Aus eigener Kraft kann sie das nicht fertig bringen, sie trägt schon jetzt eine Kultussteuerlast von 250 Prozent der Einkommensteuer. Nur mit großer Mühe ist es nur, dem Ortsschulinspektor, gelungen, den Bestand der Schule, die sich der Anerkennung der Vorgesetzten erfreut und eine 39