Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Fleischbesudelungs-Prozesse
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 481 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316621-2319176--01543-2319296- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fleischbesudelungs-Prozesse. 481 waren? Wäre es nicht besser gewesen, wenn die Angeklagten gewartet hätten, bis Sie beide weg waren? Vertheidiger: Die Angeklagten wußten genau, daß WinterscheidL und sein Genosse in der anstoßenden Scheune arbeiteten, die Thüre war ja sogar, wie wir gehört haben, halb offen. Da werden doch die Angeklagten nicht so dumm sein, etwas Strafbares zu begehen. Wie denken Sie sich das, WinterscheidL? Winterscheidt i Das kann ich ja nicht wissen, wie die Angeklagten dazu kamen ... Staatsanwalt: Sagen Sie mal, Winterscheidt, lag es denn nun nicht nahe, als Sie die Schweinerei sahen, daß Sie auf die beiden losgegangen wären, sie an der Gurgel gepackt hätten und nun sagten: Was macht Ihr Schweinehunde denn da eigentlich? . . . Worauf der Präsident: Sie haben wohl in diesem Augenblick überhaupt nichts gedacht? WinterscheidL: Nein." So handelt in-diesem Prozeß jeder Einzelne gegen die menschliche Natur; gegen jene Voraussetzungen, die psychologisch allein die zu begreifenden Triebfedern hätten sein können. Und die Bonns, die bei schlechtem Gewiffen so leicht hätten sagen können: Ja beweist uns doch, daß wir gerade jenes Fleisch überhaupt verkauft haben, sie sagen nach „Deutsch": „Präsident: Haben Sie das Fleisch, von dem die Anklage behauptet, daß es besudelt war, an Christen oder an ihre Glaubensgenossen verkauft? Isaak Bonn: Nein, nur an Christen. Präsident: Also ausschließlich an Christen? Isaak Bonn: Ja es haben nur Christen erhalten." Dieser Geschäftsmann, der eine reine Vergangenheit hat und der Jahrzehnte lang seine Kunden zufrieden stellte, ist meiner festen Ueberzeuguug nach unschuldig, und er konnte erklärlicher Weise bei der Verhandlung sagen: „Herr Präsident, die ganze Geschichte ist erlogen und erfunden. Denken Sie sich einmal einen Geschäftsmann, der seine fünf Sinne hat, wird der denn so dumm sein, in Gegenwart von fremden Leuten so etwas zu thun? Wird denn der seine eigene Waare in dieser Weise besudeln?" Aberjene zwei Zeugen! Das Erkenntniß bringt lange Ausführungen darüb er, daß an derZureämungsfähigkeit der beidenZeugen doch 33