Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Zola über den Antisemitismus
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 313 (sequence 5)
- Language
- German
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Zola über den Antisemitismus 313 Haufen nicht wenig beigetragen hat, deren Flammen glücklicherweise nur zur Dekoration dienen. Daher auch dieses klägliche Fiasko! Seit so vielen Monaten so viele Schmähungen, so viele Schimpfereien; Juden werden tagtäglich als Mörder und Diebe denuncirt, sogar aus Christen macht man Juden, wenn man sie packen will, die ganze Welt ist verludet, verschachert, besudelt und verdammt! Und im Grunde nichts als Lärm, häßliche Worte, zur Schau gestellte gemeine Leidenschaften, nicht eine Handlung, nicht eine Zusammenrottung, nicht ein zerschlagener Schädel, nicht eine zertrümmerte Fensterscheibe! Unser kleines französisches Volk nmß doch ein kluges, gutes und ehrenhaftes Volk sein, daß es nicht aus diese täglichen Anreizungen zum Bürgerkriege hört. Das Merkwürdige dabei ist nur, daß sie behaupten, ein gutes und unbedingt nothwendiges Werk zu thun. Ach! die armen Leute, wie beklage ich sie, wenn sie aufrichtig sind! Welch jämmerliches Andenken werden sie hinterlassen; einen Haufen von Jrrthümern, von Lügen, von neidischer Wuth, von Uebertreibungen, den sie tagtäglich zusammentragen! Wenn ein Kritiker in diesen Schmutzkessel hiuabsteigen wollte, er würde schaudernd zurückweichen. An den Schandpfahl der Geschichte wird man sie nageln, wie soziale Miffethäter, deren Verbrechen nur dank der seltenen Verblendung, in der sie begangen worden, zu Stande gekommen sind. Denn das ist mein beständiges Erstaunen, daß eine solche Rückkehr des Fanatismus, ein solcher Versuch eines Religionskrieges in unserer Zeit, in unserm großen Paris, inmitten unseres guten Volkes Vorkommen konnte. Und das in unserer Zeit der Demokratie, der allgemeinen Toleranz, da eine ungeheuere Bewegung sich auf allen Seiten kund giebt, und Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit die allgemeine Parole heißt! Wir stehen auf dem Punkte, die Grenzen zu zerstören, von der Gemeinschaft der Völker zu träumen, Religionskongresse zu berufen, damit die Priester aller Kulte sich umarmen, uns Alle verbrüdert zu fühlen durch den Schmerz, uns Alle vor dem Elend des Lebens zu retten, indem wir dem menschlichen Mitleid einen einzigen Altar errichten! Und da kommt eine Handvoll Narren, Dummköpfe und Schelme, die uns jeden Morgen zurufen: „Tödten wir die Juden, sresien wir