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Im deutschen Reich · 1896-06-01 · Heft 6 (Juni 1896) · p. 309

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 6 (Juni 1896)
Article
Zola über den Antisemitismus
Date
1896-06-01
Page
309 (sequence 1)
Language
German
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309 Zola über den Antisemitismus.*) ||||eü einigen Jahren, schreibt Emile Zola im Pariser „Figaro", verfolge ich den Feldzug, den man in Frankreich gegen die Juden führt, mit wachsender Ueberraschung und steigendem Widerwillen. Die Sache erscheint mir ungeheuerlich, ich möchte sagen widersinnig, wahrheits- und gerechtigkeitswidrig, albern und verblendet, und würde uns zu längst entschwundenen Jahrhunderten zurückführen, um in dem schlimmsten aller Gräuel zu enden, einer Religionsverfolgung, die Blut und Mord in alle Länder verbreitet. Ich will darüber meine Meinung aussprechen. Was bringt .man denn vor allen Dingen gegen die Juden vor; welche Vorwürfe macht man ihnen? Manche Leute, sogar Freunde von mir, behaupten, sie können sie nicht leiden, können ihnen nicht die Hand reichen, ohne einen Schauder des Widerwillens auf der Haut zu verspüren. Das ist der physische Widerwillen, die Abneigung der weißen Raffe gegen die gelbe, der rothen gegen die schwarze. Ich untersuche nicht, ob in diesem Widerwillen nicht auch der alte Zorn des Christen auf den Juden liegt, der seinen Gott gekreuzigt hat, ein ganzer jahrhundertalter Atavismus der Rache und Verachtung. Alles in Allem gcnomineu ist der physische Abscheu ein durchschlagender Grund, sogar der einzige, denn den Leuten, die Einem sagen: „Ich verabscheue sie, weil ich sie verabscheue, weil mich schon der Anblick ihrer Nase in Aufregung versetzt," läßt sich nichts erwidern. *) Die Ausführungen ZolaS, die wir der Franks. Zeitung entnehmen, sind allerdings zunächst gegen den französischen Antisemitismus gerichtet, doch treffen sie — Gott sei'S geklagt — Wort für Wort auch auf den deutschen Antisemitismus zu, wie denn in der Thal wahrhaft international gerade die Antisemiten sind. 21

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