Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 307 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316618-2318732--01197-2318806- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus Lichteren Tagen 307 Gut ist es, daß Ihr Sohn dem Frühling entgegengeboren wurde; Sie gehen doch mit ihm nach Thurn? Mit den freundlichsten Grüßen und wärmsten Wünschen für Ihr und der Ihren Wohl und frisches Gedeihen Ihnen wahrhaft ergeben Wien, 3. April 1859. Frankl." Darauf erwiderte Grün: „Verehrter Freund! Ich habe mit der Abstattung meines herzlichen Dankes für Ihren lieben theilnahmevollen Brief bis heute gezögert weil ich mit demselben die Erfüllung Ihres darin ausgesprochenen Wunsches . . . verbinden wollte . . . Die Besorgnisse, welche Sie rücksichtlich des damals bevorstehenden, nunmehr glücklich vorübergegangenen Familien- Ereignisses als Arzt hegen mußten, sind auch mir nicht ferne geblieben und so hatte ich die Vorsicht gehabt, schon lange vor dem verhängnisvollen Augenblicke den geschicktesten der hiesigen Accoucheurs um seine Anwesenheit in meinem Zimmer während des kritischen Momentes zu ersuchen. So geschah es, daß seine Hülfe und Kunst gerade im rechten Momente einschreiten konnte, um Mutter und Kind aus nicht geringer Gefahr zu retten. Der Kleine befindet stch — gottlob und unberufen! — bis jetzt recht wohl und gedeiht sichtlich. Meinen Vornamen konnte er ebensowenig bekommen, als den meines sei. Vaters, da unsere Namen bereits von anderen Familienmitgliedern getragen werden. Als wahre, kaum mehr erwartete Gottesgabe trägt er den Namen Theodor, welcher übrigens auch ein Auersperg'scher Familienname ist und zugleich der Name eines mir unvergeßlichen verstorbenen Freundes war, nach dessen Vorbilde und mit besten Eigenschaften ich mein Söhnlein gerathen und ausgestattet wünschte. Die von Ihnen erwähnte Sitte des Orientalen, sein Kind mit dem Namen eines verstorbenen Familienmitgliedes zu nennen, von so schöner und edler Pietät sie zeugt, hat für mein Gefühl dock das Bedenkliche, daß durch die regelmäßige Wiederkehr einiger weniger in der Familie forterbenden