Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Ein zwiefacher Rechtsirrthum
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 294 (sequence 1)
- Language
- German
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294 Lin zwiefacher Rechtsirrlhum. ^D en letzten Anspruch auf die Achtung Anderer hat derjenige Jude verscherzt, bei dem sich nicht jeder Nerv aufbäumt, wenn man es für möglich erklärt, daß seine Religion den Kannibalismus gutheißt oder gar anordnet. Wenn die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens solchen Schimpf ertrügen, ohne sich aller Rechtsmittel gegen den Verleumder zu bedienen, dann wären sie thatsächlich der Gleichberechtigung nicht würdig, die jene Verleumder ihrer Religion ihnen streitig machen wollen. Diese Ueberzeugung veranlaßte den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Strafantrag gegen den Redakteur Karl Sedlatzek in Berlin zu stellen, als derselbe in der Nummer des „Deutschen Generalanzeigers" vom 6. Oktober 1895 in einem „Der jüngste Ritualmord" überschriebenen Artikel die Behauptung aufstellte, daß im Dienste des „Judengottes" Menschen geschlachtet, Menschenblut verzehrt würde. Dort wurde die Behauptung gewagt: „Trotz aller bitteren Erfahrungen, welche das Judenthum durch das Anwachsen der antisemitischen Bewegung während der letzten Jahre hat machen müssen, kann es nicht einmal von denr schlimmsten aller semitischen Verbrechen, von dem Ermorden christlicher Kinder zu gottesdienstlichen Zwecken ablaffen. Und solcher Unthaten bedarf das Judenthum alljährlich, um sein Osterfest und seine „große Festwoche" mit dem „Versöhnungstage" in einer dem Judengott wohlgefälligen Weise feiern zu können. Und dieses Blut eines unschuldigen Christenkindes wird dann getrocknet und zu Pulver zerstoßen und die Agenten des ritualen Mörder-Geheimbundes bringen dann je „eine kleine Pille der verachteten Feindesseele" den einzelnen Judengemeinden, deren Rabbi Pille theils im Osterwein, theils im Osterkuchen auslöst, um