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Im deutschen Reich · 1896-05-01 · Heft 5 (Mai 1896) · p. 277

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 5 (Mai 1896)
Article
Umschau
Date
1896-05-01
Page
277 (sequence 11)
Language
German
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Umschau. 277 Im wohlthuenden Gegensätze zu der jetzigen Gestaltung der Dinge in Oesterreich stehen die Verhältnisse in Ungarn, wo sich allerdings auch der niedere Klerus judenfeindlich zeigt, aber sowohl die katholischen Kirchenfürsten wie die staatlichen Organe dieses gehässige Treiben bei jeder Gelegenheit energisch mißbilligen. Kurz nach der Verhandlung vor dem Budapester Schwurgericht, welche mit der Verurtheilung des Hülfspriesters Johann Fuß wegen Verleumdung und Ehrbeleidigung abschloß, erschienen in dem klerikal-antisemitischen Blatte „Magyar Allam", welches s. Z. zuerst „das Blutmärchen von Garam KiSz-Szallo" verbreitet hatte, mehrere Artikel, in welchen das Urtheil des Pester Schwurgerichts bemängelt wurde. Die König!. Oberstaatsanwaltschaft hat deshalb gegen die Redaktion des „Magyar Allam" neuerdings Anklage erhoben. Der „Köln. Ztg." wird aus Pest geschrieben, daß die Judenfreundlichkeit der Ungarn dem Besuche der Millenniums-Ausstellung schade. Das Kölner Blatt meint zwar, daß auch in Ungarn sich der Antisemitismus zu regen beginne, fügt aber hinzu, daß gerade „in Ungarn die Juden Vieles, sehr Vieles geleistet haben". Seinem Widerwillen gegen die antisemitischen Quertreibereien gab Wst Ferdinand von Bulgarien neuerdings wiederholt Ausdruck. Er hat nicht nur dem Herausgeber der in Konstantinopel erscheinenden „Ottomanischen Post" und der „Orientalischen Korrespondenz", Professor Dionys Nosenfeld, das Ritterkreuz des Alexander-Ordens verliehen, sondern auch dem Oberrabbiner von Konstantinopel eine Audienz ertheilt. Dabei sagte der Fürst: „Getreu den Traditionen meiner Ahnen empfinde ich eine Liefe Sympathie für die Juden. Ich bin sehr befriedigt von dem Verhalten der spaniolischen Juden in Bulgarien, welche die Gesetze achten und dem Lande wichtige Dienste leisten. Der Antisemitismus kann in Bulgarien nicht Wurzel fassen; ich bin entschlossen, diese verdammenswerthe Bewegung stets zu bekämpfen." Der Wittwe des kürzlich verstorbenen Barons Hirsch hat der Fürst einen Kondolenz-Besuch abgeftattet, was verschiedene Antisemitenblätter zu sehr feindseligen Glossen veranlaßte. „Was Euch ihn hassen macht, macht ihn uns werth!" A. L. 19*

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