Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 265 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus lichteren Tagen. 265 wärtig halten, um den schönen Gedanken: Hier ist welthistorischer und heiliger Boden — nicht zu verlieren. Ich komme mir als Parodie des Propheten in der Löwengrube vor: Ein Poet, der in eine L... höhle geworfen ist. Wäre Jerusalem nicht zerstört, es müßten jetzt alle Wetter des Herrn niederfahren und ein todtes Meer ausgießen, wie über Sodom und Gomorrha. So viel Elend, Wahnsinn, Niedertracht, Dummheit ist in keiner Stadt der Erde wieder so maffenhaft beisammen und doch! der tiefinnerste Gedanke, der die Menschen aus aller Erde Enden hierher drängt, ist ein poetischer, schöner! Wenn ich vor das Stadtthor komme und der Abend — wie mir eine solche Verklärung selbst in Rom und Neapel nicht sahen — über all die Ruinen, Gruppen und Kuppeln friedlich leuchtet, die hier erenütischen Palmen sich im Winde bewegen — da überkommt es mich wie Versöhnung. Der Anblick der Naturschönheit rettet mich für Momente selbst über den großen Schmerz, der mich nach meiner Rückkehr in meinem Hause erwartet.*) Eines ist traurig, daß ich nicht zugeben darf, daß Sie meine Schilderung etwa für übertrieben halten. Meine Reise war bisher eine begünstigte. Ich sah Athen, Smyrna, Constpl., Beirut, ritt über den Libanon, schlief eine Nacht im Sonnentempel zu Balbek, hörte die Zedern — diese ewig grünen Pyramiden — über mir rauschen und schnitt einen Ast für Sie ab, den ich Ihnen, als Spazierstock bearbeitet, mitbringe. Ich verweilte 4 Tage in dem mährchenhasten Damaskus, im phantastischen Tripolis und machte bereits von hier einen Ausflug nach dem Jordan, ans todte Meer, nach St. Saba, Hebron und Betlehem. Noch hoffe ich Naplus, Nazaret, Tiberias und Zaphet und den Karmel zu begrüßen, ehe ich mich nach Egypten einschiffe. Egypten! Darf ich Sie an Ihr Gedicht: „die Pyramiden" erinnern, das Sie mir freundlich zu schicken versprachen? *) Frankl's Gattin lag hoffnungslos darnieder; kurz nach seiner Heimkehr starb sie.