Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 262 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Aus lichteren Tagen. Nit ungedruckten Briefen Anastasius Grün's (Graf Auersperg) und Ludwig August Frankl's. T »riefwechsel zwischen Anastasius Grün und Ludwig August ' Frankl (1845—1876)", betitelt sich ein Buch, das im Spätherbst dieses Jahres im Verlage der ConcordiaDeutsche Verlags-Anstalt in Berlin erscheinen wird; Herausgeber desselben ist der Sohn Frankl's, vr. Bruno von Frankl-Hochwart in Wien. Der Briefwechsel wird berechtigtes Aufsehen erregen, denn er bietet eine Fülle bisher unbekannter, höchst interessanter Details zur politischen, wie zur Litteratur- und Kultur-Geschichte Oesterreichs. Für die Sache aber, in deren Dienst sich diese Zeitschrift gestellt hat, ist ein Abschnitt des Werkes von ganz besonderer Bedeutung: jene Briefe, die sich aus Juden und Judenthum beziehen. Die unbefangene Art, wie sich der Jude Frankl, der Mann, welcher im „Primator", den „Ahnenbildern", dem „Libanon" Geschichte und historische Mission seiner Glaubensgenossenschaft verherrlicht, gegenüber dem gräflichen Bruder in Apoll äußert, ist kaum minder bemerkenswerth, als die edle, abgeklärte Menschlichkeit Auersperg- Grün's. Es ist eine wehmüthige Empfindung, mit der uns dieser Briefwechsel erfüllt: wie weit sind heute Viele — oder müssen wir sagen: die Meisten?! — von jenem Standpunkt entfernt, der damals beiden Männern, dem Christen und dem Juden, gemeinsam war, dem Standpunkt der Humanität und der gemeinsamen Zugehörigkeit zum deutschen Volksthum, dem gemeinsamen Patriotismus für ihr engeres Vaterland Deutsch-Oesterreich! Aber auch tröstlich vermögen die Briefe auf den Leser von heute zu wirken: die Höhe, die einst, vor vierzig Jahren, erreicht war, wird sich auch wieder erreichen lassen, sofern es Alle, die es angeht, ernstlich wollen: die Juden, indem sie allen jüdisch-nationalen Träumen entsagen, die Christen, indem sie sich einen Mann wie den Grafen Anton Alexander von Auersperg zum Muster nehmen.