Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Schlimme Rathschläge
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 199 (sequence 13)
- Language
- German
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Schlimme Ratschläge. 199 er „den Besuch von Restaurants und öffentlichen Gärten" fast vollständig, den von öffentlichen Festen gänzlich untersagen will. (S. 43, 44.) Solche Rathschläge würden doch immer nur von dem sittlich besten Theile der Juden befolgt werden, so daß dann unsere christlichen Mitbürger noch mehr, als es leider schon heute der Fall ist, nur unsere schlechteren Elemente kennen lernen und nach ihnen die Gesammtheit beurtheilen würden. Uebrigens hätte C. aus dem Rathe, sich so wenig wie möglich bemerklich zu machen, lieber selbst die Konsequenz ziehen sollen, seine ganz vereinzelt stehende Ansicht bezüglich der politischen Stellungnahme der Juden nicht zu publiziren und noch an gegnerische Blätter zu senden, die daraus nur neue Waffen gegen uns schmieden. Gewiß ist es recht traurig, daß heute die Bevölkerung Deutschlands in geradezu unerhörter Weise gegen die Juden aufgehetzt werden darf. Gewiß hat Cohn Recht, daß heute die Lage vieler gebildeter jüdischer Deutscher, wenn man die Intensität des Schmerzgefühles in Rechnung zieht und der ihnen aufgezwungenen Gewissenskämpfe gedenkt, viel schmerzlicher als die des mittelalterlichen Ghettojuden ist. Auch scheint C. durch ihm selbst widerfahrene Unbill, wie sie antisemitische Niedertracht heute nicht selten jüdischen Ehrenmännern bereitet, noch besonders verbittert zu sein. Aber viel zu weit geht er doch, wenn er meint, es habe sich „ein thatsächliches Kriegsverhältniß zwischen Juden und Nichtjuden ausgebildet, wo die Rechtsfrage nicht mehr in Betracht" komme. Das heißt wirklich die Verdrehung aller Rechts- und Sittlichkeitsvorstellungen, welche das Ziel der Antisemiten ist, als berechtigt anerkennen. Schon diese Aeußerung zeigt uns, daß die Beurtheilung des Verhältnisses zwischen Juden und Christen durch Cohn und damit auch die Grundlage für seine Rathschläge falsch ist. Wir werden den Vorschlag zurückweisen, um unseres Vaterlandes willen ein Dogma zu bekennen, dem wir nicht aus voller Neberzeugung zustimmen; aber ebenso müssen wir uns hüten, Rathschlägen zu folgen, die unserer patriotischen Gesinnung widersprechen. Carl Gustav.