Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Schlimme Rathschläge
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 189 (sequence 3)
- Language
- German
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Schlimme Rathschläge. 189 Bonus meint ferner, daß nur ein „mittelmäßiger" Charakter es für Unrecht halten werde, sich einer Gemeinschaft in der Stunde der Verfolgung zu entziehen. Ein solcher Grund könne wie für die „Schlechten" auch für „die Besten" nicht gelten. Das dürste weder gut noch „deutsch" gedacht sein. Niemand wird etwas Schlechtes darin finden, unter gewöhnlichen Verhältnissen Leute, mit denen er auf demselben Schiffe fährt, zu verlassen und ein Boot zu besteigen. Beim Schiffbruche aber werden es nicht die Mittelmäßigen, sondern gerade die Besten sein, die an Andere mehr als an ihr eigenes Wohl denken. Bei den alten Germanen konnte der Gefolgsmann seinen Herrn außer im Augenblicke der Gefahr nach Belieben wechseln; dies aber hätte ihn ehrlos gemacht. Sollten nicht vielleicht diejenigen Deutschen jüdischen Bekenntnisses, welche heute treu daran festhalten, deutscher als diejenigen denken, die ihren Glauben wechseln, weil sie meinen, dadurch aus der Stelle des Amboß in die des Hammers zu kommen, oder auch als diejenigen, die gleich Bonus gesinnungslosen Glaubenswechsel zu veranlassen suchen? Bonus meint freilich, diejenigen Juden, die ihren Glauben nicht verlassen wollen, müßten gleich Dänen, Polen und Franzosen aus Deutschland „ausgeschieden" werden. Wie wenig ein solcher Gedanke einen Autor berechtigt, sich „Bonus" zu nennen, will ich hier nicht ausführen. Allein, wenn das Bekenntniß zur Staatskirche zum Deutschthum nöthig wäre, so müßten auch Katholiken, Mennoniten und Dissidenten das Staatsbürgerrecht verlieren, „ausgeschieden" werden, wie sich Bonus ausdrückt. Wie wenig er Thatsächliches gegen uns anzusühren weiß, ergiebt sich aus dem einzigen, nicht aus der Neligionsverschiedenheit genommenen Borwurfe, den sein Aufsatz enthält. Er meint, die verschiedene Auffassung des Mittelalters, das der Christ als eine Zeit „eigener", der Jude als eine solche „fremder Irren" ansehe, werde stets einen Unterschied zwischen uns und unseren christlichen Mitbürgern ausmachen, den nur die Taufe beseitigen könne. Was ist heute im Ernste den Meisten, die nicht Historiker sind, das Mittelalter und seine Beurtheilung? Der Autor frage nur einen beliebigen Kaufmann, Techniker oder Bauern; das Interesse für das „Mittelalter" dürste sehr gering sein. Auch wird, glaube ich, der erbittertste Antisemit, sofern er nur noch ein wahrheitsliebender 13*