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Im deutschen Reich · 1896-04-01 · Heft 4 (April 1896) · p. 188

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (April 1896)
Article
Schlimme Rathschläge
Date
1896-04-01
Page
188 (sequence 2)
Language
German
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188 3m deutschen Reich. in einem früheren Aufsatze jener Zeitschrift allen Ernstes als Hinderniß des Anschlusses an das Deutschthum und des Uebertrittes zum Christenthume angesehen wurde. Bonus ist davon überzeugt, daß das, was die Juden heute noch vom Christenthume fern hält, sich in zwei Worte zusammenfassen läßt: „Dogma und Antisemitismus". Die Juden können nicht einem Glauben zustimmen, von dem sie nicht innerlich durchdrungen sind; sie mögen sich von einer Gemeinschaft, in der sie geboren sind, nicht im Augenblicke der Gefahr trennen. Bonus freilich verlangt Beides — im angeblichen Interesse des Deutschthums. Wäre aber ein solches Verhalten wirklich deutsch? Im Ausgange des 15. Jahrhunderts legt Enea Silvio zur Charakteristik der Deutschen einem von ihnen folgende Worte in den Mund: „Wir haben Alle den nämlichen Glauben wie unsere Fürsten; würden sie die Götzen anbeten, so würden wir desgleichen thun." Wie sehr hat sich dieser hochgebildete Ausländer in der Beurtheilung des deutschen Volkes getäuscht! Wenige Dezennien später handeln zahllose Deutsche nach Luther's Aussprache, daß man der Obrigkeit nur in „weltlichen Sacken" zu gehorchen habe. Hier aber würde es sich ja garnicht um Befehle der Obrigkeit, sondern nur darum handeln, daß nach einer noch dazu recht anfechtbaren Ansicht ein bestimmtes Verhalten in Gewiffenssachen dem Staate Vortheil bringen soll. Nützen denn aber wirklich Personen, die aus anderen Gründen ihren Glauben wechseln, als weil sie von den Vorzügen des christlichen Dogmas überzeugt sind, der Kirche oder dem Staat, den sich Bonus so eng mit ihr verknüpft denkt? Soll im Staatsleben der Satz „Der Zweck heiligt das Mittel" sogar in Bezug auf die Lüge gelten? Es genüge, den Verfasser jenes Aufsatzes an ein Wort Pufendors's zu erinnern, der den großen Kurfürsten mit folgenden Worten preist: „Wie er es für baaren Unsinn hielt, irgend Jemand zu hassen oder geringer zu schätzen wegen Verschiedenheit der Religion, die wir doch meist nicht durch eigene Wahl, sondern durch die Geburt erlangen, so erachtete er es auch für Unrecht, die Religion aus menschlichen Rücksichten zu ändern, und für ein noch viel schwereres Vergehen, irgend Jemand durch Gewalt oder Lockmittel, die der christlichen Religion fremd sind, zu seinem Glauben zu zwingen."

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