Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Hermann L. Strack, Professor der Theologie an der Universität Berlin: "Einleitung in den Talmud" [Rezension]
Date
1896-03-01
Page
184 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316611-2316615-2318342--00973-2318446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

184 Mcherschau. Hermann 8. Strack, Professor der Theologie an der Universität Berlin: „Einleitung in den Talmud". (II. Auslage, Leipzig, I. 6. Hinrichs'sche Buchhandlung. 1894.) Zu den wesentlichsten, unterscheidenden Merkmalen des Judenhasses im Mittelalter und in der Neuzeit gehört die Thatsache, daß man im Mittelalter offen und frei bekannte, man Haffe die Juden der Religion wegen, während man sich in unserer Zeit wenigstens äußerlich scheut, die Gewissensfreiheit anzutasten und statt des .Hasses gegen die Religion den Widerwillen gegen die Rasse, gegen die wirthschaftliche Thätigkeit der jüdischen Gesammtheit u. s. w. kundgiebt. Aber nur scheinbar ist dem so; in Wirklichkeit sehen wir, daß auch die moderne antisemitische Bewegung stets auch die Religion des Judenthums zu verdächtigen sucht. Die Bibel selbst als das gemeinsame Fundament des Christenthums und Judenthums ist aus leicht begreiflichen Gründen nicht so sehr den Angriffen der Judenfeinde ausgesetzt. Allerdings macht der Haß blind und schleudert seine giftgetränkten Geschosse auch gegen die heilige Schrift; so werden oft mit den Grundlagen des Judenthums auch die des Christenthums geschmäht. Doch besonders ist es der Talmud, welcher in der antisemitischen Frage eine hervorragende Rolle spielt. Wenn die Judenfeinde sich nicht von religiöser Intoleranz leiten ließen, so dürften sie ein literarisches Denkmal, welches für das Judenthum religiösen Werth hat, nicht zum Kampfobjekt erheben. Das ist eben der mittelalterliche Haß gegen das Bekenntnis;, aus dem dann der gecen die Bekenner sich entwickelt. In dm judenseindlichen Reden und Schriften unserer Zeit liest und hört man von den Ungeheuerlichkeiten, die im Talmud enthalten seien, so das; der Eindruck erweckt werden soll, als ob irgend ein Schurkenstreich eines einzelnen Juden in den Lehren des Talmud seine Berechtigung fände, des Werkes, dessen ethische Grundsätze auf der Bibel beruhen und die höchsten Anforderungen an Redlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Menschenliebe stellen. Die Anklagen gegen den Talmud sind um so gefährlicher, als die Erforschung dieses Werkes mit ungemeinen Schwierigkeiten ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.