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Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 140

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Herder und die Bibel
Date
1896-03-01
Page
140 (sequence 7)
Language
German
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140 Im deutschen Reich. genommenheit aus allen das Gute ju schöpfen! Jener Gedanke vom Urlicht, das einst sich ausbreiten soll, ist von Herder selbst schon in seinem eigenen Wesen zur Erfüllung gebracht worden: Völker und Gemeinschaften, so lehrt er ja, mögen von einander verschieden sein, so hat jeder dieser Bestandtheile der Menschheit auch seine besonderen, ihm eigenthümlichen Fähigkeiten, die zum Besten Aller geltend gemacht werden können. Diese Verschiedenheit ist der schönste Schmuck des Menschenthums, sobald sie nicht zum Haffe gegen einander verführt, sobald einer den anderen gewähren läßt; nur dann kann zur Geltung kommen der Gedanke der wahren Menschlichkeit, welcher wahrscheinlich nach Herder's Andeutungen das Endziel der Bibel enthält, wie er ja selbst Herder's Hauptgedanke war. Es wird den heutigen Gegnern der Bibel nicht gelingen, deren Wirkungen auf das Völkerleben abzuleugnen und aus der Geschichte zu streichen. Welch ein Glück, daß vor Herder solche Richtungen unmöglich waren, und wer kann ermeffen, was der Menschheit damit geraubt würde, wenn es dem Judenhaffe gelingen sollte, die Bibel als semitisches Geisteswerk zurückzuweisen! Aber das wird wohl kaum gelingen, und wie aus vielen Stürmen wird die Schrift auch aus diesen Verunglimpfungen ungeschwächt in ihrem Einflüsse hervorgehen! Preußisch-Stargard. Ludwig A. Rosenthal.

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