Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Herder und die Bibel
Date
1896-03-01
Page
134 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316611-2316615-2318306--00858-2318396
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

134 Herder und die Bibel. |p|fP<nt hat lange Zeit die Bibel als ein der Menschheit an- ~ gehöriges Buch betrachtet und sich nicht gern daran erinnert, daß im Judenthum ihr Ursprung ist und man demselben ihre Erhaltung zu verdanken hat. Der Antisemitismus in seinem Streben, Alles, was nur an das Judenthum erinnert, zurückzudrängen, will dagegen das Biblische aus dem Wesen des deutschen Volkes ausscheiden, wirft das Alte Testament als jüdisch dem Juden zurück und bleibt (wenn alle Zeichen nicht trügen) keineswegs vor dem Neuen stehen. Gerade der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens hat in dieser seiner Eigenschaft zur Frage der Nothwcndigkcit oder Entbehrlichkeit der Bibel Stellung zu nehmen. Er hat als solcher, wie seine Mitbüger, aufzusuchen und sestzuhaltcn, was für die Gesittung im Vaterlande und für die Festigkeit desselben von Werth ist. Werden solche Dinge angegriffen, so ist er als Staatsbürger verpflichtet, sie zu verthcidigen, um der Gefammtheit die ihr unentbehrlichen oder nützlichen Grundlagen nicht rauben zu lasten. Wir halten hier gerade diese Seite der Frage fest, weil in dieser Zeitschrift der Ort für eigentliche Glaubenüstreitigkeiten nicht ist. Man hat erst seit einem Jahrhundert in Deutschland den hohen Werth der Dichtung für die Entwickelung des Vaterlandes kennen gelernt. Die Gottsched-Zeit sah in dein Dichter einen gelehrten Fachmann. Lessing ließ erst erkennen, daß die Wirkung, und nicht die Form den Werth der Gedichte ausmacht. Aber auch er hatte zu sehr bcu bewußt berechnenden Dichter im Auge, er mußte mit seinem Scharfsinne gegen so viele eingewurzelte Vorurtheile kämpfen, daß ihm nicht mehr die Zeit und die Kraft blieb, auf die jenseits des Kunstmäßigen liegende Dichtung und deren Herrlichkeit rinzngehen. Es giebt darüber bei ihm wichtige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.