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Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 132

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Schwere Zeiten
Date
1896-03-01
Page
132 (sequence 6)
Language
German
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132 Im deutschen Reich. daß man über die Judenfrage diskutirte; sie haben unthätig zugesehen, wie man das wieder abzugrenzen versuchte, was sich frei bewegen sollte, wie man zahlreiche Glaubensgenossen nur-wegen ihrer Religion und Abstammung kränkte und in Handel und Wandel schädigte. Und weil der Einzelne keine Stelle wußte, wo er dm Kummer seines Herzens ausschütten konnte, hat er mitunter im Augenblicke zu einer bedauerlichen Selbsthülfe gegriffen, die zumeist von traurigen Folgen begleitet war. Darin mußte endlich Wandel geschaffen werden und er ist durch den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens geschaffen worden. Jetzt weiß der einzelne deutsche Jude, wo sein Schmerz mitgefühlt, wo für seine Heilung nach Kräften gesorgt wird. Er braucht sich nicht mehr verlassen zu fühlen, nicht mehr wie ein hilfloser, rathloser Kranker in der Herbheit des Schmerzes nach Mitteln zu greifen, die seine Leiden verschlimmem. Unter dem Banner der Selbstvertheidigung, im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit, im Sinne wahrer Brüderlichkeit, hat der Central-Verein viele Tausende deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vereinigt zum Schutze ihrer bedrohten Interessen. Aber diese Vereinigung soll keine Absonderung vom deutschen Volke, keine Interessengemeinschaft zur Erwerbung von besonderen Rechten und Vortheilen sein. Wir haben uns nur zu dem Zweck zusammengesunden, um ein geachteter und unlöslicher Bestandtheil des uns theuren großen deutschen Volkes zu bleiben; wir wollen nicht mehr, aber nicht weniger gelten als jeder andere deutsche Staatsbürger; wir wollen keine Privilegien erwerben, sondern nur die Rechte schützen, die mit uns geboren und uns im Juli 1869 von der deutschen Volksvertretung feierlich zugestanden worden sind. Wenn wir dafür kämpfen, streiten wir zugleich für die Ehre des ganzen deutschen Volkes, dem die Frechlinge, die unsere Rechte antasten, gleichzeitig den schnödesten Rechtsbruch ansinnen! Wir wünschen gar keine Prämien und anderen Vortheile, sondern nur die uns verfassungsmäßig zustehende Möglichkeit, uns aus jedem Gebiete zu bewegen, für welches wir die erforderlichen Fähigkeiten besitzen. Unsere Forderungen sind solche, die kein Kulturvolk versagen kann, ohne sich selbst zu schädigen. Durch ihre völlige Erfüllung wird die Zeit nicht noch mehr aus den Fugen gehen, sondern erst in die richtigeren Geleise kommen. Die Gerechtigkeit

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