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Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 128

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Schwere Zeiten
Date
1896-03-01
Page
128 (sequence 2)
Language
German
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J28 )in deutschen Reich. ertönen aus einzelnen Interessengruppen öffentlich Schimpfworte gegen solche Staatsmänner, welche nicht genug gewährten, oder es wird sogar aus dem Munde eines einflußreichen Mannes eine Einladung vernommen, welche selbst in der mildesten Form der Berichterstattung bedenklich an diejenige des Götz von Berlichingen erinnert. Die Zeit scheint wirklich aus den Fugen zu sein, wenn eine Partei, aus deren Mitte die Männer gewählt werden, welche die hervorragendsten Stellungen bekleiden, ihr ganzes Heil in einem zum Zweck des Rückschritts von dem getauften Juden Stahl ersonnenen System sucht. Noch bemerkenswerther ist es, daß diese Partei aus den Fugen zu gehen drohte, weil ihre Führer sich in einer Stunde der Einkehr von einem Alaune trennten, dessen auf das „Theile und herrsche!" berechneter „Scheiterhaufenbrief" ein gefährliches Treiben offenkundig gemacht hatte. Wäre unsere Zeit nicht eine ganz außergewöhnliche, dann könnte nicht in derselben Zeit, in welcher die Riesenfortschritte der Wiffenschaft das Wort Goethe's zu Schanden machen, daß man der Natur kein Geheimniß abzwingen könne, ein abscheuliches Gespenst des dunkelsten Mittelalters wieder auftauchen, dann dürfte das elende Märchen vom jüdischen Blutritual nicht am Ausgang des 19. Jahrhunderts straflos denen vorerzählt werden, die selbst in den aufgeklärtesten Zeiten nie alle werden! Nicht minder erstaunlich ist es, daß so lange nach der Zeit, in welcher Herder den Werth der östlichen Kultur gelehrt. Lessing das Evangelium der allumfaffenden Menschenliebe gepredigt und Goethe auf das Band hingewiesen, welches Orient und Occident ewig verbindet, hochangesehene Geistliche nicht einer Bewegung entgegentreten, die das Semitenthum, in welchem das Christenthum ebenso wie das Judenthum wurzelt, rastlos unterwühlt. Feinde beider monotheistischen Religionen sind thatsächlich jene Jrrlehrer, welche mit nationalen Floskeln das Streben verdecken, das Werk des Bonifacius und Karls des Großen zu vernichten und das deutsche Volk von dem positiven Glauben wieder zu der heidnischen Verehrung der Naturkräste zurückzuführen. Als der gelehrte Orientalist Professor Delitzsch, einer der frömmsten Christen und eifrigsten Förderer der Judenmission, Stellung wider jene verderbliche Nicbtung nahm, that er es wahrlich nicht aus Vorliebe für die Juden. Ihm war es klar, daß jeder Angriff auf das alte Testament auch den Glauben an

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