Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Die Staatsverfassung der Juden [Rezension]
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 118 (sequence 1)
- Language
- German
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118 Hiicherfcha«. Die Staatsverfaffrr«g der Juden auf Grund des Alten Testaments. Von Eduard Schall, Pastor in Bahrdorf. (Leipzig: O. Deichert'sche Verlagsbuchhandlung Nachf. Georg Böhme. 1896). Der Verfasser dieses Buches steht mitten in der christlich-sozialen Bewegung, und aus dem Verlangen heraus, diese Bewegung auch wirklich zu einer christlichen zu machen, hat er die sozialen Einrichtungen des Alten Testaments, wie sie sich besonders in den fünf Büchern Moses finden, dargestellt, um daraus nachzuweisen, wie wenig unsere heutigen Zustände im wirthschaftlichen, gesellschaftlichen und öffentlichen Leben dem Geiste jener göttlichen Gebote entsprechen. Da im Alten Testamente und im Leben des Volkes Israel alle sozialen Einrichtungen ebenso wie alle religiösen und die privat- und strafrechtlichen auf Gott als den obersten Gesetzgeber zurückgeführt werden, da das göttliche Gesetz alle Verhältnisse des menschlichen Lebens in seinen Kreis gezogen hat, giebt der Verfasser die ganze Staatsverfassung der Juden, gegliedert in folgender Eintheilung: 1. Die ganze Staatsverfassung im engeren Sinne und ihr Charakter; Beamte, Richter, Könige, Steuern, allgemeine Wehrpflicht. 2. Die Religion und deren Pflege und Uebung. Das Volksheiligthum, Priester und Leviten, Sabbath und Feste, Opfer und Speisegesetze. 3. und 4. Die Grundpfeiler des öffentlichen Lebens, Eigenthum und Ehe. 3. Das Eigenthum, die Grund- und Bodenfrage, das ganze Erwerbsleben und das Strafrecht, soweit es sich auf das Privateigenthum bezieht. 4. Die Stellung der Frau, ihre Rechte, das Eheleben nach jüdischem Gesetz. Vielweiberei, Pflege von Keuschheit und Sittsamkeit. 5. und 6. Darstellung des Strafrechts. 7. Die Beobachtung dieser Gesetze im jüdischen Volke und die messianischen Erwartungen. Von diesen 7 Kapiteln enthält der vorliegende erste Band nach einer Einleitung über die Ergebnisse der wissenschaftlichen Bibelkritik die drei ersten Kapitel, auf deren Tendenz und wesentlichen Inhalt ich im Folgenden aufmerksam machen möchte. — So wenig wir Juden für die christlich-soziale Bewegung in ihrer bisherigen Erscheinungsform irgendwelche Sympathien haben können und so wenig Verfasser von Vorurtheilen gegen die Juden frei ist, in demselben Grade hat mich die Unparteilichkeit überrascht, mit der er wenigstens dem Geiste des