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Im deutschen Reich · 1896-02-01 · Heft 2 (Februar 1896) · p. 102

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 2 (Februar 1896)
Article
Umschau
Date
1896-02-01
Page
102 (sequence 1)
Language
German
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102 Umschau. ifjLmc seit zwei Dezennien vorhandene, weite Volkskreise tieferregende Bewegung erreicht dadurch noch nicht ihr Ende, daß sie den einen oder den andern ihrer Urheber in ihre Strudel zieht und dem Untergänge weiht. Der Schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn und wenn erst Wahnbegriffe wie der „Rassen-Antisemitismus" Jahre lang ungestraft und fast unwidersprochen allen Schichten der Gesellschaft eingeimpft worden sind, dann bedarf es noch viel längerer Zeit, um die traurigen Folgen dieses Giftes wieder zu überwinden. Wer diesen langwierigen Heilprozeß befördern hilft, macht sich nicht um das Judenthum, sondern um das ganze deutsche Volk verdient, welchem die Rassenhetze weder zur Ehre noch zur Wohlfahrt gereicht. Ob sich diese Hetze an dem einen Ort mehr und an dem anderen Ort weniger fühlbar macht, ob sie zeitweise an Heftigkeit zunimmt oder abnimmt, ob die Rädelsführer der Hetze sich unter einander befehden oder durch Bloslegung ihrer moralischen Schäden zu Grunde gehen, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens dürfen nicht ermüden in der Vertheidigung ihrer Rechte, nicht aufhören zu beweisen, daß sie mit ihren christlichen Mitbürgern einen und denselben Gott haben und mit ihnen ein Volk bilden. Auf unzähligen christlichen Symbolen älterer und neuerer Zeit findet sich der Name „Jehova" in hebräischen Buchstaben und in den Herzen der meisten deutschen Juden ist eben so tief die Liebe zum deutschen Vaterlande und zur deutschen Muttersprache eingeprägt. Wir haben weder einen Nationalgott, noch eine eigene Nationalität. Was man fälschlich als Rasseeigenthümlichkeiten der Juden ansieht, ist nur die Folge der langjährigen Knechtschaft und Absonderung und sichtlich im raschen Schwinden begriffen, seitdem den Juden ein menschenwürdiges Dasein gegönnt wird. Dieser Erkenntniß werden sich die nicht vom Wahne des Vorurtheils Befangenen auf die Dauer nicht verschließen können. Vor Kurzem sprach sich Herr von Egidy in einem Vorträge über den Antisemitismus aus; er beleuchtete die verschiedenen Arten der Gegnerschaft wider die Juden und sagte dann „Der Arier steht dem Semiten nicht gegenüber, sondern neben ihm. Als Deutsche haben wir das Recht, unsere Einrichtungen nach unserem eigenen Empfinden zu gestalten, aber kein Jude wird sich diesem Wandel auf Grund seines Judenthums widersetzen. Giebt es noch Juden, die Werth

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