Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Wissenschaftlicher Antisemitismus
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 95 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316614-2318179--00770-2318253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
95 Wissenschaftlicher Antisemitismus. Berechtigung, die folgenden Zeilen zu schreiben, erwächst W& aus der eigenartigen Empfindung, welche der Vortrag „Wissenschaftlicher Antisemitismus" in mir wachgerufen hat! Sind es wirklich schon 16 Jahre her, seit ich in dem Vorworte zu der kleinen Broschüre „Naturwissenschaft oder Judenhaß?" mahnend und wachrufend die Sätze geschrieben habe: „Scheinbar harmlos, in Wahrheit aber am gefährlichsten ist der „wissenschaftliche" Judenhaß? Dem „religiösen" fehlt in unserer Zeit die Grundlage, der „materielle" stützt sich auf schnell verschwindende Erscheinungen, der „wissenschaftliche" bleibt und wirkt nach! Darum muß ihm die Abwehr entgegentreten, die — Gott Lob — leicht ist, da er nur seine Form der Wissenschaft entlehnt! Nur die Gewandung ist modern, der Grundgedanke ist der altkirchlich-brjzantinische, wenn nicht gar der ganz vulgäre: Das Bedürfniß, einen Prügeljungen zu haben, auf den man in aller Selbsterniedrigung noch ververachtend hinabsehen und hinabschimpfen kann! Die „niedere Rasse" ist kein Produkt wissenschaftlicher Forschung, sondern allein eine Ummodelung des alten „Hep-Hep"-Geschreies!" Die „niedere Rasse" sollte damals im „Ausland" naturwissenschaftlich erwiesen werden, deshalb wurde die Messiasidee ein „hartnäckiger Jrrthum in Behauptung einer der Eitelkeit schmeichelnden Deutung der Propheten" genannt, darum wurde die „Abschließung von anderen Stämmen, die Forterhaltung eigener Sitten und Gebräuche, die Neigung zum Streite, zur Kritik, zur Wanderung, zur Handelschast und die Scheu vor körperlicher Arbeit" in einem Satze den Juden zum Vorwurf gemacht. Nur auf den zweiten Punkt möchte ich hier etwas näher einzugehen mir erlauben, weil Herr Levinstein uns, die wir nicht Alles essen, was Herrn Prof. Paulsen schmeckt, zu leicht als Sühnopfer hingegeben hat. Sind jene Vorschriften unsinnig oder widersinnig? Das mochte man in jenen Zeiten behaupten, in welchen Rom's Satiriker und Komiker den das Schwein verschmähenden Juden so gern auf's Korn nahmen. Heut