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Im deutschen Reich · 1896-02-01 · Heft 2 (Februar 1896) · p. 94

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 2 (Februar 1896)
Article
Johannes Keppler
Date
1896-02-01
Page
94 (sequence 6)
Language
German
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94 deutschen Reich. Nun erfolgte der Bescheid: „Nachdem die Kepplerin durch ausgestandene Territion die Indizien purgiert hat, so ist dieselbe von angestellter Klage zu absolvieren uyd wenn die Ihrigen wegen der Kosten Sicherheit geleistet haben werden, zu entlassen." Dagegen wehrte sich aber nun der Leonberger Bürgermeister im Namen seiner Stadt, indem er seine Verwunderung bezeugte, daß eine so hoch gravirte Person entlassen werde; das gereiche ganz Leonberg nebst Nachkommen zu „ewigem Spott und Hohn". Wenn der Kepplerin ferner Aufenthalt in Leonberg verstattet würde, so drohe ihr, daß sie daselbst todtgeschlagen werde. Glücklicherweise starb sie bald darauf eines natürlichen Todes, und Johannes Keppler, welcher ein ganzes Jahr seines kostbaren Lebens in Württemberg wegen dieses traurigen Prozesses vergeuden mußte, kehrte nun mit dem Makel, eine Hexe zur Mutter gehabt zu haben, nach Oesterreich zurück. Zur Entschuldigung für jene Zeit dient der Umstand, daß sowohl Hoch wie Niedrig von der Existenz der Hexen felsenfest überzeugt war. Wenn wir auch heute Hexenprozesse im eigentlichen Sinne des Wortes nicht mehr kennen, so erinnert doch jenes Anklagematerial nicht wenig an die Holzscheite, welche gewisse Antisemiten anläßlich der Affäre Tiscza-Eszlar und Xanten gegen das ganze Judenthum zu einem Scheiterhaufen zusammenzutragen suchten. Getränkt mit Gift und Galle, Neid und Haß, drohen sie nicht nur uns Juden, sondern noch weiteren Kreisen Verderben. Gott schütze Deutschland vor der wilden Flamme der Anarchie, welche der fanatische Antisemitismus zu entfachen droht! Cannstatt. Richard Loewe.

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