Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Johannes Keppler
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 89 (sequence 1)
- Language
- German
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SS Johannes Reppler. M8uf einsamer Wanderung ließ ich jüngst die ganze Leidensgeschichte E? des jüdischen Volkes vom grauen Alterthume bis in's Mittelalter und in die Neuzeit hinein an meinem geistigen Auge vorüberziehm. Die Erinnerung an die schweren Verfolgungen, wie die kleinen Kränkungen, die Grausamkeiten der spanischen Inquisition, sowie an die Mordprozesse von Tisza Eszlar und Fanten erweckten in mir tiefe Verbitterung gegen die Ungerechtigkeiten auf Erden, die sich gerade auf das Judenthum in so erdrückendem Maße häufen. Von solchen Empfindungen bewegt, stand ich unversehens vor der Statue des Johannes Keppler in Weil der Stadt, einem kleinen Orte Württembergs, der Geburtsstätte jenes großen Astronomen. Noch lebhaft mit den Gedanken an den ohnmächtigen Kampf gegen die Finsterniß und den Aberglauben beschäftigt, unter dem die Juden den Leidenskelch bis zur Neige, wie kein anderes Volt auskosten mußten, war mir der Anblick dieses Mannes mit seinem Riesengeiste, die Erinnerung an seine schweren Leiden und Kämpfe gegen die Unvernunft und Geisteszwerge zu unvermittelt, als daß sie mich nicht Herausfort ern mußte, unsere Leiden, die wir aus den religiösen Gegensätzen herleiten, mit jenen zu vergleichen,^ die Keppler, ein frommer Christ, von feinen eigenen Glaubensgenossen erfahren mußte. Voll des schmerzlichen Gefühls über den Ausspruch eines Herzogs Christof, der den Juden „als nagenden und schädlichen Würmern" den Aufenthalt im Lande verbot, brauchen wir, um Trost zu finden, nur wenige Blätter in der Geschichte des Württemberger Landes umzuwenden, um zu sehen, wie es seinem großen Sohne Johannes Keppler den Aufenthalt in seinerHeimath unmöglich gemacht hat. DieserMann mit seiner echt religiösen Toleranz gegen Andersgläubige, aber mit seinem scharfen. Alles durchdringenden Verstände gerieth gar bald in den Ruf